ArchivDeutsches Ärzteblatt51-52/2013Somaliland: Hilfe für Minenopfer und Behinderte

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Somaliland: Hilfe für Minenopfer und Behinderte

Dtsch Arztebl 2013; 110(51-52): A-2472 / C-2101

Ollenschläger, Philipp

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Mit einfachen Mitteln werden im Red-Crescent-Rehabilitations- Center in Somaliland wetterfeste Rollstühle gebaut. Foto: S. Rahlenbeck
Mit einfachen Mitteln werden im Red-Crescent-Rehabilitations- Center in Somaliland wetterfeste Rollstühle gebaut. Foto: S. Rahlenbeck

Der Verein „Afrika aktiv“ ist eine der wenigen Organisationen, die in Somaliland noch humanitäre Hilfe leisten. Vor allem Rehabilitationszentren für Menschen mit Behinderungen benötigen Unterstützung.

Nach 22 Jahren humanitärer Hilfe haben sich die Ärzte ohne Grenzen (MSF) im August aus Somalia zurückgezogen. Die Sicherheitslage in dem ostafrikanischen Land sei zu prekär gewesen – zu häufig sei es zu Übergriffen auf medizinisches Personal gekommen. „Wir beenden unsere Programme in Somalia, weil die Situation im Land zu einem unhaltbaren Ungleichgewicht geführt hat zwischen den Risiken, die unsere Mitarbeiter eingehen müssen, und unseren Möglichkeiten, der somalischen Bevölkerung zu helfen“, hieß es in einer Erklärung des MSF-Präsidenten Unni Karunakara. Am meisten leide darunter die Zivilbevölkerung, die ohnehin schon deutlich weniger Unterstützung erhalte als notwendig.

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Auch die Bewohner von Somaliland, dem ehemals britischen Protektorat im Nordosten Somalias, leiden unter den herrschenden Zuständen und dem Rückzug von MSF. Doch im Gegensatz zu den meisten anderen Regionen Somalias gilt dieser Teil als politisch stabil. Seit geraumer Zeit will sich die Region von Somalia abspalten. Bereits 1991, nach jahrzehntelanger Diktatur und Jahren des Bürgerkriegs, erklärte Somaliland seine Unabhängigkeit. Eine Verfassung wurde erstellt, und im Jahr 2003 gab es die ersten nationalen Wahlen. Doch die internationale Anerkennung blieb aus. Somaliland gehört also nach internationalem Recht weiterhin zu Somalia. Dies hat zur Folge, dass internationale Mittel, die für den Aufbau der Region und für die medizinische Versorgung benötigt werden, fehlen.

„Afrika aktiv“ ist ein gemeinnütziger Verein, der sich aus ehemaligen Entwicklungshelfern und Ärzten zusammensetzt. Deutsche und äthiopische Ärzte des Vereins unterrichten Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie und Community Medicine in Hargeysa, der Hauptstadt Somalilands, und helfen mit, die medizinische Fakultät der Universität aufzubauen. Jährlich bringen die Fakultäten eine bescheidene Anzahl Ärzte hervor – etwa 25, schätzt Dr. med. Sibylle Rahlenbeck, ein langjähriges Mitglied von „Afrika aktiv“. Der Verein ist eine der letzten Organisationen, die vor Ort humanitäre Hilfe leisten. Unterstützt wird er von der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung.

Während des somalischen Bürgerkriegs wurden unzählige Landminen ausgelegt; viele Menschen haben dadurch Gliedmaßen verloren, benötigen Prothesen und Rehabilitationsmöglichkeiten. Doch die Rehabilitation von Behinderten ist schwierig in Entwicklungsländern. Die wenigen vorhandenen Mittel werden für den Aufbau eingesetzt, die benötigten Geräte sind teuer oder nicht erhältlich. Häufig mangele es an Know-how, sagt Rahlenbeck. Das Red-Crescent-Rehabilitations-Center in Hargeysa ist eines der wenigen Therapiezentren, in dem man sich um die somalischen Behinderten kümmert. Ungefähr 30 Mitarbeiter setzen sich dort für die Patienten ein. Ärzte arbeiten nicht in dem Therapiezentrum, dafür aber fünf ausgebildete Physiotherapeuten.

In dem Therapiezentrum besteht die Möglichkeit der ambulanten und stationären Betreuung; in einer Werkstatt werden Prothesen angefertigt. Aus den wenigen vorhandenen Geräten wird versucht, dass Beste für die Betroffenen herauszuholen: Plastikstühle werden auf fahrbare Untersätze montiert, mit einer Fußstütze versehen und als wetterfeste Rollstühle verwendet. Doch auch für derart simple Geräte werden finanzielle Mittel benötigt.

Um weiterhin die Rehabilitation von Behinderten und Somaliland unterstützen zu können, werden Spenden unter dem Verwendungszweck „Rehabilitation“ für das Red-Crescent-Rehabilitations-Center gesammelt.

Philipp Ollenschläger

Verwendungszweck: Rehabilitation, Afrika aktiv e.V. (gemeinnützig), Kontonummer – 20 50 21 220, Sparkasse Gießen – Bankleitzahl 513 500 25.

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