ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014Aggressive Non-Hodgkin-Lymphome: Frühe Transplantation bei Hochrisikopatienten?

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Aggressive Non-Hodgkin-Lymphome: Frühe Transplantation bei Hochrisikopatienten?

Dtsch Arztebl 2014; 111(1-2): A-33 / B-28 / C-28

Gulden, Josef

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Die meisten Patienten mit aggressiven Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) können heute mit R-CHOP (Rituximab, Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin, Prednison) geheilt werden. Ein ungünstiger IPI-Score (International Prognostic Index) geht jedoch mit einem hohen Rezidivrisiko einher. Ob eine frühe autologe Stammzelltransplantation als Konsolidierung im Anschluss an die Erstlinien-Induktionstherapie bei diesen Patienten sinnvoll ist, war lange umstritten. Eine Studie der Deutschen Studiengruppe für hochmaligne NHL (DSHNHL) und eine französische Studie konnten keinen Vorteil für die Transplantation zeigen. Eine nordamerikanische Studiengruppe präsentiert nun Daten von insgesamt 370 Patienten mit aggressiven NHL und einem hohen oder intermediär-hohem IPI-Score, die ab 1999 rekrutiert worden waren (1). Nach einer Induktion mit CHOP, ab 2003 ergänzt um Rituximab, hatten 253 Patienten mindestens eine partielle Remission. Sie wurden randomisiert: entweder als Konsolidierung drei weitere Zyklen (R-)CHOP oder einen Zyklus und danach eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation (ASCT). Primäre Endpunkte waren progressionsfreies und Gesamtüberleben nach zwei Jahren. Zu diesem Zeitpunkt waren 69 % der Patienten im ASCT- und 55 % im Kontrollarm progressionsfrei (Hazard Ratio [HR] 1,72; p = 0,005). Die Gesamtüberlebensraten lagen bei 74 % vs. 71 % und waren nicht signifikant unterschiedlich (HR 1,26; p = 0,30). Subgruppenanalysen zeigten für Patienten mit hohem IPI-Score einen signifikanten Nutzen der Transplantation, sowohl beim progressionsfreien (p = 0,04) als auch beim Gesamtüberleben (p = 0,01): Nach zwei Jahren lebten noch 82 %, ohne Transplantation nur 64 %.

Gesamtüberleben bei Hochrisikopatienten mit Non-Hodgkin-Lymphom mit und ohne Stammzelltransplantation
Gesamtüberleben bei Hochrisikopatienten mit Non-Hodgkin-Lymphom mit und ohne Stammzelltransplantation
Grafik
Gesamtüberleben bei Hochrisikopatienten mit Non-Hodgkin-Lymphom mit und ohne Stammzelltransplantation

Fazit: Anders als in früheren Studien ergibt sich in einer aktuellen Untersuchung ein Nutzen der Hochdosischemotherapie mit ASCT bei Patienten mit aggressivem NHL. Prof. Dr. med. Norbert Schmitz, Hamburg, Leiter der DSHNHL-Studie (2), bezweifelt den Nutzen: Nur 150 Patienten hätten die heutige Standardbehandlung mit Rituximab erhalten. Damit habe die Studie nicht annähernd die erforderliche statistische Aussagekraft, den postulierten Vorteil der frühen Transplantation nachzuweisen. „In Zeiten, in denen jeder Patient mit aggressivem B-Zell-Lymphom R-CHOP erhält, ist die Studie nicht geeignet, den Nachweis zu führen, dass die frühe autologe Transplantation noch einen Vorteil hat.“ Josef Gulden

  1. Stiff PJ, et al.: Autologous transplantation as consolidation for aggressive non-Hodgkin’s lymphoma. NEJM 2013; 369: 1681–90.
  2. Schmitz N, et al.: Conventional chemotherapy (CHOEP-14) with rituximab or high-dose chemotherapy (MegaCHOEP) with rituximab for young, high-risk patients with aggressive B-cell lymphoma: An open-label, randomised, phase 3 trial (DSHNHL 2002–1). Lancet Oncol 2012; 13: 1250–9.
Gesamtüberleben bei Hochrisikopatienten mit Non-Hodgkin-Lymphom mit und ohne Stammzelltransplantation
Gesamtüberleben bei Hochrisikopatienten mit Non-Hodgkin-Lymphom mit und ohne Stammzelltransplantation
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Gesamtüberleben bei Hochrisikopatienten mit Non-Hodgkin-Lymphom mit und ohne Stammzelltransplantation

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