ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014Krankheit: Diagnose statt Ursache
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Amüsant und lesenswert die launige Glosse des Neurologen Voß . . .

Wenn Voß für die oft vergebliche Suche nach der Ursache einer Krankheit den lieben Gott verantwortlich macht, dann schießt er bei aller Sympathie für seine berechtigte Kritik am Status quo übers Ziel hinaus. Denn wer würde bestreiten wollen, dass jede Krankheit eine oder mehrere Ursachen hat, ob wir sie in Erfahrung bringen können oder nicht. Dieses sogenannte Kausalitätsprinzip ist eines der unerschütterlichen philosophischen Axiome. Hätte Herr Voß den Begriff der „Ursache“ durch den der „Diagnose“ ersetzt, wäre er gegen Kritik von Verfechtern einer missverstanden Evidence based Medicine gefeit gewesen. Wie die unentwegten, zum Selbstzweck gewordenen Revisionen der Klassifikationssysteme ICD und DSM zeigen, liegt hier das eigentliche Problem, an dem sich auch nichts ändern wird, solange man eine endgültige Lösung auf dem immer gleichen Weg scheinbarer Verbesserungen zu finden glaubt. So gesehen, erscheint die von so manchen Koryphäen ex cathedra im Brustton überlegenen Wissens vorgetragene Belehrung, wonach Gott vor die Therapie die Diagnose gesetzt habe, eher als Ausweis der üblichen patientenfernen Universitätskarriere denn als ein Naturgesetz. Nicht selten kommt man – ganz im Voßschen Sinne – durch einen auf Intuition beruhenden Therapieversuch zum Ziel, nämlich zu einer Diagnose ex juvantibus.

Prof. Dr. Gerald Ulrich, 13509 Berlin

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