ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014OECD-Studie: Vorsicht ist angebracht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Solche OECD-Daten sind fragwürdig! Im OECD-Bericht heißt es, dass Deutschland in der hospitalen (stationären) Herzinfarktletalität auf dem fünftletzten Platz liege und somit ein Qualitätsdefizit habe. Das muss nicht stimmen. Bereits vor 40 Jahren fiel uns an der Leipziger Universitätsklinik auf, dass sich die Krankenhausletalität des akuten Myokardinfarktes erhöhte, obwohl sich die Bedingungen der Versorgungsqualität verbesserten. Die hospitale Herzinfarktletalität nahm zu, trotz personell hochqualifizierter, hämodynamisch orientierter Differenzialtherapie, trotz einer in die Intensivtherapiestation integrierten Notaufnahme, trotz einer ständig zur rettungsdienstlichen Dispatcher- und Notarztzentrale der Stadt verbundenen Wechselsprechanlage. Wir galten als stolzer Leuchtturm in einer perfekten Rettungskette. Was war geschehen? Durch den stabsmäßig etwa zeitgleich staatlich organisierten ärztlichen Rettungsdienst (sogenannte Schnelle Medizinische Hilfe, SMH) verkürzten sich die Transportzeiten, erhöhte sich die diagnostische Sicherheit und verbesserten sich die prähospitalen Therapiemaßnahmen (SMH-Spezialfahrzeug mit zwei Rettungssanitätern und Notarzt an Bord). Bis dahin verstarben mehr als die Hälfte aller Herzinfarktpatienten prähospital. Jetzt erreichten auch solche im kardiogenen Schock und unter Reanimationsbedingungen die rund um die Uhr dafür aufnahmebereite Intensivtherapiestation und verstarben im Krankenhaus. Dieser Unterschied, nämlich abnehmende prähospitale Sterblichkeit versus zunehmende hospitale Sterblichkeit verstärkte sich, als die Einführung des Herzinfarktregisters jeden Notarzt zwang, im Fall der Verdachtsdiagnose „Akuter Herzinfarkt“ ein wegen seines Umfangs lästiges zusätzliches Formular auszufüllen . . . Fazit: Vorsicht vor Rückschlüssen von Krankenhaussterblichkeitszahlen auf die Versorgungsqualität.

Prof. Dr. med. Dietmar Schneider,
Universitätsklinikum Leipzig,
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und
Intensivtherapie, 04103 Leipzig

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema