ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014Kardiologie: Biologische Limitationen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Aus meiner Sicht ist es mitnichten so, dass sich die Kardiologie in einer Krise befindet. Wissenschaftliche Studien haben auch in den letzten Jahren neue Meilensteine gesetzt, zum Beispiel bei der Ausdehnung der Indikation für Aldosteron-Antagonisten bei der Herzinsuffizienz oder der Behandlung von Herzklappenfehlern. Die Vermutung einer Krise beruht zum einen darauf, dass wir irgendwann schlicht an biologische Limitationen stoßen werden und eine Lebensverlängerung nicht weiter erzielbar sein wird, zum anderen darauf, dass der Druck gewachsen ist, auch negative Studienergebnisse mitzuteilen. Dadurch, dass alle wichtigen Fachzeitschriften der Welt seit dem 1. Januar 2005 Arbeiten nur dann noch annehmen, wenn das Protokoll vor Studienbeginn veröffentlicht wurde, erfolgt eine Korrektur eines „Publikations-Bias“, der bisher bevorzugt zur Veröffentlichung von Erfolgsmeldungen führte.

Zweifelsohne hat Prof. Niroomand recht, dass Empfehlungen den individuellen Patienten berücksichtigen müssen. Dass die Studienergebnisse den „meisten Kardiologen so unsympathisch“ sind, dass sie diese „einfach ignorieren“, ist allerdings unbelegt und auch medizinisch schwer begründbar. Ich finde es zum Beispiel nicht hinnehmbar, dass es Jahre dauerte, bis sich ungünstige Daten einer Hormonersatztherapie im Klimakterium herumsprachen.

Und schließlich: Gehen wir nicht überall im Leben breit und ungerichtet vor und freuen uns am Ende über den erzielten Nutzen? Wieso richten wir auf Straßen Tempobeschränkungen ein, wenn nur wenige Autofahrer wirklich Unfälle verursachen würden? Wieso bestehen wir auf einer 0,5 Promille-Alkoholgrenze, wenn die große Mehrzahl der Autofahrer auch mit Werten etwas darüber fehlerfrei fahren könnte? . . . Wir wollen mit unseren Empfehlungen spezifischer werden. Grenzen der Praktikabilität in Einzelfällen stellen jedoch die Grundrichtung nicht infrage.

Anzeige

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. Harald Klepzig, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, Sana Klinikum Offenbach,
63069 Offenbach

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema