ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014Börsebius: Beraten und verkauft

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Börsebius: Beraten und verkauft

Dtsch Arztebl 2014; 111(1-2): A-45 / B-41 / C-37

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An die Pleite des US-Finanzhauses Lehman Brothers erinnern sich viele Anleger noch mit Grausen. Die gleichnamigen Zertifikate hatten ziemliche Verlustbreschen in Zigtausende Depots geschlagen. Lehman-Zertifikate wurden in den hintersten Winkeln Deutschlands auch von Banken verkauft, deren Reputation eigentlich ganz gut war. Diese Form der Falschberatung möge dem Anleger möglichst schnell nicht mehr passieren, schrieb sich der Gesetzgeber in seine „To-do-Liste“, und so kam vor zwei Jahren das Anlegerschutzgesetz über uns. Banken müssen seitdem nicht nur ihre Berater bei der Finanzaufsicht registrieren und deren Sachkunde nachweisen, sondern ihren Anlegern auch sogenannte Produktinformationsblätter in die Hand drücken, die ihnen das, was verkauft werden soll, in verständlichem Deutsch erläutern.

Die Registrierung eines Beraters bei der Bankenaufsicht ist ja gut gemeint, sagt aber gar nichts über dessen Beratungsqualität aus. Besser wäre es gewesen, die Aufsicht würde die Qualität des Beraters einer Prüfung unterziehen. Als Nachweis der Sachkunde akzeptiert der Gesetzgeber eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder Bankfachwirt. Kurios ist die „Alte-Hasen-Regelung“. Bankmitarbeiter, die seit dem Jahr 2006 in der Bank arbeiten, müssen keinerlei Qualifikation nachweisen. Hier setzt der Gesetzgeber voraus, dass diese Damen und Herren hinreichend geeignet sind. Sind das nicht genau die, die uns die vermaledeiten Zertifikate verkauft haben? Ach ja, diese Produktinformationsblätter. Dort werden in der Tat die Risiken des speziellen Produkts erklärt. Ich habe aber oft genug gehört, dass der Berater dem Kunden so nebenbei sagt, ich muss Ihnen das Blatt aushändigen, nehmen Sie das mal nicht so ernst. Denn der Anlegerberater steht nach wie vor unter einem hohen Verkaufsdruck seiner Bank. Hauseigene Fonds, institutsnahe Bausparverträge oder eigengestrickte Zertifikate muss und soll er verkaufen.

Das glauben Sie nicht? Die Verbraucherzentrale hat jüngst in einer breit angelegten Untersuchung festgestellt, dass die Banken ihren Kunden in der Regel unpassende Anlagen verkaufen. Bei den neu angebotenen Produkten fielen sage und schreibe 87 Prozent durch. Trotz Beraterregister, Produktinformationsblatt und vermeintlich sachkundiger Beratung. Da wird aus „beraten und verkauft“ schnell „verraten und verkauft“.

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