ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014Demenz: Kein Verlust, sondern Veränderung

KULTURTIPPS

Demenz: Kein Verlust, sondern Veränderung

Dtsch Arztebl 2014; 111(1-2): [63]

Willkens, Christoph

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In der Rolle der Gundel präsentiert Petra Afonin ein realistisches Porträt einer alten, demenzkranken Dame. Foto: privat
In der Rolle der Gundel präsentiert Petra Afonin ein realistisches Porträt einer alten, demenzkranken Dame. Foto: privat

Sie hat es geschafft, die Hoffnung spürbar zu machen – auch bei Themen wie Tod und Trauer. Petra Afonin widmet sich mit ihrem Theater- und Chanson-Programm „Ich bin das noch“ dem Thema Demenz. Aufgeführt wird es im „prinz regent theater“ Bochum; am Klavier wird sie von Susanne Hinkelbein und Simone Witt begleitet. In der Rolle der Gundel präsentiert Petra Afonin ein realistisches Porträt einer alten, demenzkranken Dame, die auf ihren Mann Horst wartet, den sie allerdings schon längst überlebt hat. Authentischer könnte ihr Monolog auf der Bühne kaum sein. Untermalt wird das Programm von einer spartanischen, aber ausdrucksstarken Requisite und zu Herzen gehender Bühnenmusik. Vor der Aufführung stand eine ausführliche Recherche in Seniorenwohnstätten, Angehörigengruppen und in privaten Familien auf dem Programm. Afonin gelingt es, dass der Fokus der Aufführung nicht auf dem Defizit selber, sondern auf dem Lebendigen innerhalb des Defizits liegt. Sie zeigt, was bleibt: „Ich bin das noch.“ Ihrer Ansicht nach sollte die Demenz nicht als krankheitsverursachter Verlust des Selbst, sondern als Veränderung des Selbst verstanden werden. Wenn Angehörige die Krankheit als eine schwierige, aber zu bewältigende Etappe des Lebens betrachteten, würde ihre Angst geringer ausfallen. Die gegenseitige Abhängigkeit von Patient und Familie biete zudem eine große Chance für Nähe und die Möglichkeit enger zusammenzurücken.

Die letzten Sätze der Aufführung lauten „Frag nicht nur, was geht nicht mehr. Frag auch, was bleibt“. Sie vermitteln eine positive Botschaft. Angehörigen soll Mut gemacht werden. Ihr Fokus soll auf dem Verbliebenen und nicht auf dem Vergessenen liegen. Informationen: www.afonin.de.

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Christoph Willkens

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