ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014Förderung von Praxisnetzen: Die ersten KVen gehen an den Start

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Förderung von Praxisnetzen: Die ersten KVen gehen an den Start

Dtsch Arztebl 2014; 111(1-2): A-14 / B-11 / C-11

Ankowitsch, Eugenie

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Nicht auf Kosten der Kollegen: Der Vorstand der Netzagentur, Veit-Wambach, plädiert für eine finanzielle Förderung über Add-on-Verträge. Foto: André Wagenzik
Nicht auf Kosten der Kollegen: Der Vorstand der Netzagentur, Veit-Wambach, plädiert für eine finanzielle Förderung über Add-on-Verträge. Foto: André Wagenzik

Es braucht offenbar Zeit, die KBV-Rahmenvorgabe von Mai umzusetzen. Einige Kassenärztliche Vereinigungen gehen davon aus, erst im Frühjahr 2014 so weit zu sein. Aber auch dann werden wohl nur wenige Netze Fördergelder erhalten.

Es gebe „eine kritische Masse an Netzen, von denen wir glauben, dass sie im Kollektivvertrag gefördert werden sollten“, erklärte Dr. med. Bernhard Gibis im April auf der Versorgungsmesse der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der KBV-Dezernent für Verträge und Verordnungsmanagement stellte damals die gemeinsam mit dem GKV-Spitzenverband verhandelte Rahmenvorgabe für die Anerkennung und gegebenenfalls Förderung von Praxisnetzen vor. Sie ist seit Mai in Kraft.

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Doch ihre Umsetzung in den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) gestaltet sich heterogen. Deren Förderung von Netzen reicht von der Unterstützung mit Know-how bis zur Mitfinanzierung. Das ergab eine Umfrage der Agentur deutscher Arztnetze (ADA), die Anfang Dezember in Berlin vorgestellt wurde. „Bei den meisten KVen ist eine Umsetzung der Zertifizierung geplant. Bei der Förderung halten sich viele KVen zurück“, fasste der ADA-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Veit Wambach die Ergebnisse zusammen.

Bislang haben erst einzelne KVen die Rahmenvorgabe umgesetzt. Andere wollen sich damit bis Januar beziehungsweise April 2014 Zeit lassen. Ganz auf eine Förderung verzichten werden laut Wambach die KVen Berlin und Bremen.

Von 1 000 bis 100 000 Euro

Nur vier von 14 KVen planen, Netze finanziell zu fördern. Unter diesen bestehen große Unterschiede. Während Sachsen-Anhalt lediglich 1 000 Euro Zuschuss zu den Gründungskosten vorsieht, stellt die KV Schleswig-Holstein (KVSH) Netzen eine Förderung von bis zu 100 000 Euro pro Jahr in Aussicht. Finanziert werden soll diese über den Sicherstellungsfonds der KV. Ohnehin übernimmt die KVSH bei der Umsetzung der Richtlinie eine Vorreiterrolle. Als erste KV präsentierte sie bereits im Juli eine Förder-Blaupause. Danach können anerkannte Praxisnetze nicht nur beachtliche Fördergelder erhalten, sondern sollen auch beim Abschluss von Selektivverträgen unterstützt werden.

Nach Angaben von Hagen Franke, Vertragsreferent Struktur und Verträge bei der KVSH, sind bisher fünf Anträge auf Zertifizierung eingegangen, einer ist bereits genehmigt. Die erste Überweisung von 100 000 Euro an ein Netz steht kurz bevor. Damit sind jedoch Bedingungen verbunden: „Die Netze müssen einen umfangreichen Kriterienkatalog erfüllen und Rechenschaft über die Verwendung der Gelder ablegen“, erläuterte Franke. Einen jährlichen Bericht über die Umsetzung der Rahmenvereinbarung erwartet auch die KBV von zertifizierten Netzen. Das kündigte Susanne Armbruster, KBV-Abteilungsleiterin für flexible Versorgungsformen, an. Den ersten erwartet sie 2015.

In Westfalen-Lippe sollen Praxisnetze nicht finanziell gefördert werden, berichtete Thomas Müller, KV-Geschäftsführer Unternehmensentwicklung: „Wir haben keinen Strukturfonds, aus dem wir 100 000 Euro für ein Netz herausnehmen können. Eine Umverteilung aus der Gesamtvergütung kommt nicht infrage.“ Zertifizierte Netze würden jedoch bei Vertragsverhandlungen unterstützt. Gegen eine Förderung aus der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung hat sich auch die Netzagentur wiederholt ausgesprochen. „Es ist sinnvoll, die Förderung über Add-on-Verträge zu regeln und den Ärzten, die nicht in Netzen tätig sind, kein Geld wegzunehmen“, so Wambach.

In Bayern will die KV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung im März über die Umsetzung der Rahmenvereinbarung abstimmen, berichtete Fabian Demmelhuber, Leiter des Referats Versorgungskonzepte und Zusatzverträge. Im Süden soll es Ausnahmen von der festgelegten Netzgröße (mindestens 20 und höchstens 100 Praxen) geben. In begründeten Fällen könnten sich demnach auch Netze mit 18 oder 150 Praxen Hoffnung auf Anerkennung machen.

Hoffnung auf die Koalition

ADA-Vorstand Wambach setzt große Hoffnungen in die Umsetzung des Koalitionsvertrags. Dort heißt es: „Die Förderung von Praxisnetzen wollen wir verbindlich machen und ausbauen.“ „Das wird das Tempo erhöhen und die Aussichten für die Netze verbessern“, prognostizierte er. Wambach sieht Netze aber auch in der Pflicht: „Es ist wichtig, dass möglichst viele Anträge auf Anerkennung stellen.“ Dies übe gewissen Druck auf die KVen aus und signalisiere der Politik, dass sie sich mit der Förderung auf dem richtigen Weg befinde. Nach Schätzungen der Agentur gibt es derzeit 60 bis 70 förderungswürdige Netze, die KBV geht von 30 bis 40 aus.

Eugenie Ankowitsch

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