ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/2014Ischämischer Schlaganfall: QStroke als neuer Risikoralgorithmus validiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ischämischer Schlaganfall: QStroke als neuer Risikoralgorithmus validiert

Dtsch Arztebl 2014; 111(1-2): A-33 / B-28 / C-28

Vetter, Christine

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Den neuen Risikoalgorithmus QStroke zur Abschätzung der Wahrscheinlichkeit für Schlaganfall oder transitorische ischämische Attacken (TIAs) zu evaluieren, war Ziel einer prospektiven offenen Kohortenstudie. Es wurden Daten von circa 3,5 Millionen Patienten im Alter von 25 bis 84 Jahren (24,8 Millionen Patientenjahre) aus 451 Allgemeinpraxen in England und Wales ausgewertet (1998 bis 2012). In diesem Kollektiv traten 77 578 Schlaganfälle oder TIAs auf, und es wurden Risikofaktoren analysiert, die mit den Ereignissen assoziiert waren. Dazu gehörten die jeweils selbst angegebene Rasse sowie Geschlecht, Alter, Raucherstatus, Blutdruck, Blutfettwerte, BMI, Familienanamnese und diverse Erkrankungen wie Diabetes, KHK oder rheumatoide Arthritis.

Es wurde ein Risikoscore, der QStroke, erarbeitet und in einer Kohorte mit 1,9 Millionen Patienten (12,7 Millionen Patientenjahre; 38 404 Ereignisse) mit anderen Risikoscores verglichen und evaluiert. Ausgeschlossen waren Patienten mit früherem Schlaganfall, TIA oder unter einer Antikoagulation.

Mit dem QScore-Algorithmus war ein Schlaganfall oder eine TIA bei Männern wie auch Frauen ohne ein solches Ereignis in der Anamnese gut vorhersagbar mit sogar besseren Ergebnissen als beim Framingham-Score. Bei Patienten mit Vorhofflimmern war die Diskriminierung etwas schlechter als in der gesamten Kohorte, der Vorhersagewert war jedoch besser als bei den gebräuchlichen Scores CHADS und CHA2DS2VASc. Beispielsweise zeigten der CHA2DS2VASc für die Klassifizierung eines hohen Risikos (10-Jahres-Risiko 20,2 %) eine Sensitivität von 97 % und der QStroke eine Sensitivität von 98 % (10-Jahres-Risiko 20,5 %).

Fazit: Mit dem QStroke-Score etablieren die Autoren ein neues Hilfsmittel zur Abschätzung des Schlaganfall- oder TIA-Risikos bei Personen ohne vorangegangenes Ereignis, kommentiert Prof. Dr. med. Christoph Bode, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik III der Universitätsklinik Freiburg. Die prädiktive Aussage des Scores scheine deutlich besser als beim Framingham Stroke Score zu sein, aber nur unwesentlich besser als beim CHADS- und CHA2DS2- VASc-Score, die bei Patienten mit Vorhofflimmern zum Einsatz kommen. Ob die Entscheidung für oder gegen eine präventive Antikoagulation anhand des QStrokes einen Nutzen hat, wurde in der Studie nicht untersucht. Ihre Stärken sind eine große, für England und Wales gut repräsentative Fallzahl, ein langes Follow-up und ein absoluter Risikowert, wie ihn sich manche Ärzte und Patienten wünschen. Limitierend sei, dass der Score mit 18 Variablen nur bei entsprechender Software anwendbar ist und kein Risikoschwellenwert untersucht wurde, ab dem eine Antikoagulation sinnvoll ist. Der QStroke-Score habe damit keine relevanten Vorteile gegenüber dem CHA2DS2VASc-Score, der für Patienten mit Vorhofflimmern international verbreitet und in Leitlinien empfohlen ist und eine einfache Therapieempfehlung ermöglicht. Christine Vetter

Hippisley-Cox J, et al.: Derivation and validation of QStroke score for predicting risk of ischaemic stroke in primary care and comparison with other risk scores: a prospective open cohort study, BMJ 2013; doi:10.1136/ bmj.f2573

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