ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2014Ausblick auf 2014: Ein Jahr der Veränderungen

EDITORIAL

Ausblick auf 2014: Ein Jahr der Veränderungen

PP 13, Ausgabe Januar 2014, Seite 1

Bühring, Petra

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Ein neuer Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter tritt sein Amt an: Der bisherige Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe. Bisher ist der Rheinländer gesundheitspolitisch nicht hervorgetreten, deshalb lässt sich sein Verständnis für die Besonderheiten der psychotherapeutischen Versorgung noch nicht einschätzen (Seite 7). Ganz ignorieren kann er diesen Bereich nicht, denn erstmalig befasst sich ein Koalitionsvertrag explizit mit der Versorgung psychisch Kranker und deren langen Warten auf Therapieplätze bei gleichzeitiger Zunahme von psychischen Diagnosen. So beabsichtigen die Regierungsparteien die Wartezeiten zu reduzieren, für ein zeitnahes Angebot an Kurzzeittherapie zu sorgen, das Gutachterverfahren zu entbürokratisieren, Gruppentherapie zu fördern, den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) zu beauftragen, in einer definierten Frist die Psychotherapie-Richtlinie zu überarbeiten und die Befugnisbeschränkungen für Psychotherapeuten zu überprüfen. Was gegen letzteres aus der Ärzteschaft vorgebracht werden könnte, lässt sich bereits einer Pressemitteilung der Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände e.V. entnehmen. Darin wurde betont, dass Befugnisse wie stationäre Einweisungen, Krankschreibungen und Heilmittelverordnungen nur in ärztliche Hände gehörten. Tatsächlich erschweren die bestehenden Beschränkungen die Kooperation zwischen Ärzten und Psychotherapeuten und verursachen den Patienten doppelte Wege – sind also längst nicht mehr zeitgemäß.

Auch der GKV-Spitzenverband stößt Veränderungen an mit seinen Vorschlägen zur Reform der psychotherapeutischen Versorgung (siehe Editorial in Heft 12/2013). Den Kassen geht es dabei im Wesentlichen um Rationierung: Sie wollen die Kurzzeittherapie fördern, indem diese von der Genehmigungspflicht befreit wird. Fakt ist, dass jetzt schon 60 Prozent aller Psychotherapien nach den Richtlinien innerhalb von 25 Stunden beendet werden. Die Kassen wollen weiter eine „orientierende Sprechstunde“ bei einem Psychotherapeuten vor Beginn der Behandlung einführen, bei der der Patient darüber aufgeklärt wird, welche verschiedenen Therapierichtungen es gibt oder ob eher eine stationäre oder medikamentöse Behandlung erforderlich wäre. Was der Patient dann mit diesen Informationen machen soll, bleibt offen. Auch soll nach der zwölften Therapiestunde eine „Reflexionsphase“ von sechs Wochen eingeführt werden, damit die Patienten, „die Sinnhaftigkeit des Lösungsweges psychotherapeutischer Behandlung überprüfen“ können. Die Sinnhaftigkeit dieser eigentümlichen Wartezeit erschließt sich indes nicht. Bundes­psycho­therapeuten­kammer und Berufsverbände warnen außerdem davor, eine Konkurrenz zwischen Kurz- und Langzeittherapie aus ökonomischen Gründen aufzubauen: Dass eine niedrigschwellige Akutversorgung im Rahmen von offenen Sprechstunden nötig ist, sei keine Frage, doch solle dies ein zusätzliches Angebot zur Richtlinien-Psychotherapie sein.

Der G-BA sorgte für eine Veränderung beim Mindestversorgungsanteil für ärztliche Psychotherapeuten ab 1. Januar: Die Quotensitze, die von Ärzten bislang nicht besetzt werden konnten, stehen dann auch Psychologischen Psychotherapeuten offen. Von dieser Regelung sollen rund 300 Sitze in ländlichen Regionen betroffen sein.

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