ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2014Depressionen: Rolle genetischer Faktoren nicht überbetonen

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Depressionen: Rolle genetischer Faktoren nicht überbetonen

PP 13, Ausgabe Januar 2014, Seite 30

MS

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Psychische Erkrankungen werden häufig rein auf biologischer Ebene dargestellt. Dies impliziert oft, dass sie unbehandelbar und eben „Schicksal“ wären. Welche Folgen diese Sichtweise für Patienten mit Depressionen hat, untersuchten US-amerikanische Psychologen um Matthew Lebowitz von der Yale University. Im Rahmen von drei Studien zeigten sie depressiven Patienten zwei Filme. Der ersten Patientengruppe wurde mit Hilfe des Films vermittelt, dass der Einfluss genetischer und neurochemischer Faktoren auf ihre Erkrankung sehr groß sei. Die zweite Patientengruppe erfuhr durch den Film, dass die Erkrankung beeinflussbar ist – auch die biologischen Komponenten – und welche Möglichkeiten der therapeutischen Einflussnahme es gibt. Anschließend wurden die Patienten befragt, wie lange ihre Krankheit vermutlich noch andauert und wie hoch ihre Heilungschancen wären.

Wie sich zeigte, waren die Patienten, die von einem starken genetisch-biologischen Einfluss ausgingen, pessimistisch und hoffnungslos im Hinblick auf ihre Heilungschancen. „Die Patienten hingegen, die den zweiten Film gesehen hatten, waren optimistischer und glaubten, etwas bewirken zu können“, sagen die Autoren. Ihrer Meinung nach ist es problematisch, wenn die Rolle genetischer und biologischer Faktoren zu sehr betont wird, weil somit falsche Vorstellungen von der Behandelbarkeit psychischer Erkrankungen generiert werden. Zudem sollte allgemein mehr darauf geachtet werden, welche Botschaften über Depressionen und andere psychische Erkrankungen vermittelt werden, denn diese tragen dazu bei, wie die Bevölkerung und die Betroffenen darüber denken, ob sie sich Hilfe suchen und sich in der Therapie engagieren und ob sie an einen Behandlungserfolg glauben. ms

Lebowitz M, Ahn W, Nolen-Hoeksema S: Fixable or fate? Perceptions of the biology of depression. Journal of Consulting and Clinical Psychology 2013; 81(3): 518–27. MEDLINE

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