ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2014Vergütung: Warten auf ein gerechtes Honorar
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Ich möchte Ihnen meine Meinung – und die von 140 Kollegen – übersenden zu dem Ergebnis der Honorarverhandlungen.

Es ist nicht zu verstehen, dass das seit 1999 bestehende Grundproblem, sowie die fehlenden Honorarüberprüfungen seit 2008, die seit 14 Jahren zu den weidlich bekannten Honorarverwerfungen des Bereiches Psychotherapie geführt haben, nicht auch nur annähernd zufriedenstellend gelöst sind.

Ich erspare mir die Polemik, die sich auf die Darstellung der Psychotherapie durch die KBV nach außen, innerhalb der Gremien und auch das iterativ so richtige (zehn Prozent Stimmanteil) wie unzutreffende Argument, die „Selbstverwaltung“ würde das schon regeln (was aufgrund genau dieses Stimmenanteils eben nicht möglich wird) bezieht, um weiter das Grundproblem zu verschleiern und bedeckt zu halten, dass der zweite approbierte Heilberuf neben den Ärzten, entgegen der ausgeurteilten BSG-Urteile seit Jahren nicht angemessen, geschweige denn „gerecht“ bezahlt wird.

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Hier eine gesonderte Lösung zu treffen, die den Besonderheiten dieser Leistungserbringergruppe Rechnung trägt und auch aufhört, uns als „Facharztgruppe“ zu betiteln, halte ich die KBV verantwortlich. Die Zahlen, Daten und Fakten sind dort bekannt, umso merkwürdiger empfinde ich diese Feigenblatt-Politik, die uns als Berufsgruppe auf der existenziellen Ebene völlig im Regen stehen lässt.

Nach den Urteilen des BSG besteht Anspruch auf ein Honorar, dass eine dem Grundsatz der Verteilungsgerechtigkeit mindestens genügende Vergütung gewährleistet. Auch nach dem GKV-VersG ist für die Zeit ab 1. Januar 2012 weiterhin geregelt, dass für psychotherapeutische Leistungen eine angemessene Höhe der Vergütung je Zeiteinheit zu gewährleisten ist, es ist auch nach wie vor davon auszugehen, dass der voll ausgelasteten vertragspsychotherapeutischen Praxis die Erzielung eines Überschusses möglich sein muss, welcher der durchschnittlichen fachärztlichen Praxis entspricht. Vergegenwärtigt sich die KBV dabei, das 95 Prozent der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland von der Berufsgruppe der Psychotherapeuten geleistet wird, sie zugleich aber ständigen finanziellen Missachtungen seitens der „Selbstverwaltung“ ausgesetzt ist und letztendlich die KBV hier einen Lösungsweg beschreiten muss, der über faktische „Almosen“ hinausgeht: Auch wir haben Praxiskosten, teilweise Personalkosten, Betriebskosten, die das Honorar schmälern und wollen mehr als ein Alter in Armut, weil die Rücklagen nicht gereicht haben.

Wann erfolgt endlich die Überprüfung der Höhe der Bewertung von psychotherapeutischen Leistungen tatsächlich, und wann die zweite Stufe der EBM-Reform, und: Wird sie uns ein besseres Stundenhonorar bescheren? Denn nur dort ist die Stellschraube für ein größeres und angemessen gerechtes Honorar.

Dipl.-Psych. Wolff Henschen, Psychologischer Psychotherapeut, Systemischer Familientherapeut SG/DGSF, 38640 Goslar

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