ArchivDeutsches Ärzteblatt PP1/2014Systemische familientherapie: Anleitungen zur Selbsthilfe

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Systemische familientherapie: Anleitungen zur Selbsthilfe

PP 13, Ausgabe Januar 2014, Seite 45

Fangauf, Ulrike

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Dieses leichte Taschenbuch richtet sich nicht an ein Fachpublikum, sondern an Interessenten, die einen Eindruck gewinnen möchten, was systemische Familientherapie und Beratung eigentlich ist. Das stellen die Autoren gleich zu Beginn klar, und damit erklärt sich auch, warum es weder Quellenangaben im Text noch ein Literaturverzeichnis noch zufriedenstellende Erklärungen über die zugrundeliegende Theorie und Praxis des Verfahrens gibt. Stattdessen liefern die Autoren viele Fallbeispiele, Zitate, gute Ratschläge und Anleitungen zur Selbsthilfe, auflockernde Zeichnungen und einen saloppen Schreibstil.

Tatsächlich gelingt es den Autoren, zu vermitteln, wie in der systemischen Beratung und Familientherapie das soziale Umfeld einbezogen wird, die Förderung von Stärken, Ressourcen und Selbsthilfe im Mittelpunkt stehen und Symptome bereits als Lösungsversuche umdefiniert werden. Andere Spezialitäten wie Genogramm und zirkuläres Fragen werden unzureichend beschrieben, so dass sie eigentümlich „in der Luft hängen“. Methoden aus anderen Verfahren erhalten viel Raum: Aus dem Psychodrama nach Moreno wird am meisten entnommen. Wie selbstverständlich werden szenischer Aufbau, direkter und indirekter Rollenwechsel eingesetzt, das Spiegeln in „Perspektivenwechsel“, das „Soziale Atom“ in „Beziehungslandkarte“ umbenannt, leider ohne auch nur einmal korrekt die Herkunft zu erwähnen. Aus der Hypnotherapie, Peseschkians positiver Psychotherapie, der personenzentrierten Psychotherapie und Antonowskis Salutogenese kommen weitere Anleihen hinzu.

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Deutlich wird, was in der Praxis nachgewiesene Realität (Volker Tschuschke) ist: Kein Verfahren wird als „reines“ Verfahren durchgeführt. Gute Therapeuten wollen eine Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten verwenden, die der Individualität der Patienten und ihrer Störungen gerecht wird. Doch wenn das, was hier als systemische Therapie verkauft wird, systemische Therapie ist, dann sollten die Verfahren und Methoden, die die Systemiker in Wirklichkeit verwenden, auch benannt und korrekt angewendet werden. Ulrike Fangauf

Rainer Schwing, Andreas Fryszer: Systemische Beratung und Familientherapie – kurz, bündig, alltagstauglich. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2013, 168 Seiten, kartoniert, 14,99 Euro

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