ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Informationsvorsprung oder Interessenkonflikt?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft begrüßt die redaktionelle Initiative des Ärzteblattes, die Thematik von Interessenkonflikten im Zusammenhang mit der Erstellung von Leitlinien aufzugreifen und dem Leser zu erhellen. Schade nur, dass dem vielversprechenden Editorial zur Problematik eine im Ergebnis mangelhaft erarbeitete und tendenziös abgefasste Publikation zur vermeintlichen Einflussnahme von Pharmaunternehmen auf die Therapieempfehlungen der Leitlinienautoren folgt, und durch eine Verquickung mit Fälschungsvorwürfen in einem themenfremden Kontext beim Leser den subjektiven Eindruck einer manipulierbaren Ärzteschaft noch beflügelt.

Als in der Leitlinienerstellung mitverantwortliche wissenschaftliche Fachgesellschaft sehen wir hierdurch nicht nur eine seinerzeit vorbildliche Arbeit ins falsche Licht gerückt, sondern auch die Reputation renommierter Autoren zu Unrecht in Frage gestellt. Die federführend von Kollegin Schott von der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft und mit Unterstützung der Förderinitiative Versorgungsforschung der Bundes­ärzte­kammer verfasste Arbeit mag als journalistischer Beitrag tauglich sein, als wissenschaftliche Originalarbeit in einem Organ wie dem Deutschen Ärzteblatt kann sie aber nicht unwidersprochen hingenommen werden. Abgesehen von den durch die betroffenen Leitlinienautoren diesbezüglich erwiderten Kommentierungen bleibt zu hinterfragen, was eine Leitlinie taugt, die ausschließlich durch „belesene“ Autoren ohne jegliche Erfahrung in klinischer Forschung oder kritischer Beratertätigkeit erarbeitet wurde. Gerade durch Letztere ist man in der Bewertung der aktuellen Studienlandschaft infolge eines praktischen Umganges am besten mit den Prüfsubstanzen vertraut, genauso wie mit deren potenziellem Risikoprofil im Rahmen eines kontinuierlichen Informationssystems aller Nebenwirkungen. So steht in der aktuellen Debatte nicht nur die Forderung nach totaler Unbefangenheit, sondern auch der Verzicht auf eine wertvolle Expertise zum Einsatz innovativer Behandlungen auf dem Prüfstand.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0036a

Prof. Dr. med. Roland Kaufmann

Präsident der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

Zentrum der Dermatologie der Johann Wolfgang Goethe-Universität

Frankfurt/Main

kaufmann@em.uni-frankfurt.de

Interessenkonflikt

Prof. Kaufmann erhielt Studienunterstützung (Drittmittel) von den Firmen LEO, Roche, Novartis, AB Science, Abott, Almirall, Amgene, Basilea, BMS, Cellgene, GSK, Regenerone, Jansen-Cilag, Lefi, Meda, Merz, Sciderm und Pfizer.

1.
Schott G, Dünnweber C, Mühlbauer B, Niebling W, Pachl H, Ludwig WD:
Does the pharmaceutical industry influence guidelines? Two examples from Germany. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(35–36): 575–83. VOLLTEXT
1.Schott G, Dünnweber C, Mühlbauer B, Niebling W, Pachl H, Ludwig WD:
Does the pharmaceutical industry influence guidelines? Two examples from Germany. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(35–36): 575–83. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige