ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Weitere Aspekte der Therapieoptionen
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Der Artikel (1) gibt einen guten Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten bei der lumbalen Spinalkanalstenose. Wesentliche Aspekte bleiben aber unerwähnt: Viele Patienten werden bei Bildbefunden der Spinalkanalstenose mit aufwendigen Operationen behandelt, sie leiden aber unter lokalen Rückenschmerzen, also nicht unter der wirbelsäulenbedingten Schaufenstererkrankung.

Zwar ist die eine oder andere Therapie in manchen Teilaspekten anderen Prozeduren (verschiedene Operationstechniken, konservative Behandlung) überlegen, „besser als” sagt aber wenig über das tatsächliche Maß der Besserung aus – insbesondere was die Gehleistung anbelangt, die ja das Hauptkriterium der Beeinträchtigung darstellt (hierdurch definiert sich die bildmorphologische Spinalkanalstenose als wirbelsäulenbedingte Schaufenstererkrankung). Wenn ein Betroffener vor einer Operation circa 100 m ohne Beinschmerzen gehen kann, nach der Operation circa 500 m, dann ist dies eine deutliche Besserung, aber klinisch und absolut eher eine geringfügige. Es ist davon auszugehen, dass dieser Zusammenhang vielen Patienten in den Aufklärungsgesprächen nicht ausreichend dargelegt wird. Die Metaanalyse von Kovacs et al. (2) zur Behandlung der Spinalkanalstenose – die von den Autoren nicht erwähnt wird –, umfasst 739 Publikationen zu diesem Thema. Die Autoren dieser Studie haben darauf hingewiesen (Zitat: „In all the studies, surgery showed better results for pain, disability, and quality of life, although not for walking” [2]). Die psychische Komorbidität dieser oft multimorbiden Patienten ist schlechter untersucht als die Bildmorphologie. Gerade für die Rehabilitation ist aber die Kenntnis darüber, ob eine Depression und (Bewegungs-)Ängstlichkeit vorliegt, therapeutisch und prognostisch wesentlich (3, 4).

Diese kritische Darstellung weiterer Aspekte der Behandlungsoptionen hätte diesem CME-Artikel gut getan, gerade auch für ein allgemeinärztliches und versorgungsmedizinisches Verständnis.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0039a

Prof. Dr. med. Marcus Schiltenwolf

Departement Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie

Universitätsklinikum Heidelberg, marcus.schiltenwolf@urz.uni-heidelberg.de

1.
Kalff R, Ewald C, Waschke A, Gobisch L, Hopf C: Degenerative lumbar spinal stenosis in older people—current treatment options. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(37): 613–24. VOLLTEXT
2.
Kovacs FM, Urrútia G, Alarcón JD: Surgery versus conservative treatment for symptomatic lumbar spinal stenosis: a systematic review of randomized controlled trials. Spine 2011; 36: E1335–51. CrossRef MEDLINE
3.
Adogwa O, Parker SL, Shau DN, et al.: Preoperative Zung Depression Scale predicts outcome after revision lumbar surgery for adjacent segment disease, recurrent stenosis, and pseudarthrosis. Spine J 2012; 12: 179–85. CrossRef MEDLINE
4.
Guilfoyle MR, Seeley H, Laing RJ: The Short Form 36 health survey in spine disease--validation against condition-specific measures. Br J Neurosurg 2009; 23: 401–5. CrossRef MEDLINE
1.Kalff R, Ewald C, Waschke A, Gobisch L, Hopf C: Degenerative lumbar spinal stenosis in older people—current treatment options. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(37): 613–24. VOLLTEXT
2.Kovacs FM, Urrútia G, Alarcón JD: Surgery versus conservative treatment for symptomatic lumbar spinal stenosis: a systematic review of randomized controlled trials. Spine 2011; 36: E1335–51. CrossRef MEDLINE
3.Adogwa O, Parker SL, Shau DN, et al.: Preoperative Zung Depression Scale predicts outcome after revision lumbar surgery for adjacent segment disease, recurrent stenosis, and pseudarthrosis. Spine J 2012; 12: 179–85. CrossRef MEDLINE
4.Guilfoyle MR, Seeley H, Laing RJ: The Short Form 36 health survey in spine disease--validation against condition-specific measures. Br J Neurosurg 2009; 23: 401–5. CrossRef MEDLINE

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