ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Methodik der Problematik anpassen
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Die lehrreiche Übersicht möchte ich um einige Punkte ergänzen: Bei der Erhebung der Beschwerden mit Claudicatio intermittens und der nahe liegenden Frage einer vaskulären oder spinalen Pathogenese geben Patienten mit arterieller Verschlusskrankheit gewöhnlich an, dass die Beschwerden beim Ausruhen rasch, innerhalb von Minuten zurückgehen. Diejenigen mit spinaler Claudicatio beschreiben dabei hingegen eine langsame Rückbildung ihrer Schmerzen und der damit verbundenen, diffus geschilderten Schwäche in den Beinen.

Die sich an die Beschwerdeerhebung anschließende Untersuchung führt zur klinischen Diagnose einer lumbalen Spinalkanalstenose beziehungsweise zu deren Ausschluss. Wenn man hingegen von radiologischen Kriterien ausgeht (1): „Es handelt sich hier um eine radiologisch-morphologische Beschreibung (ap-Durchmesser im CT < 10 mm, die noch keinerlei Krankheitswert besitzt)“, so wird das Pferd am Schwanz aufgezäumt.

Bei den pathogenetisch relevanten, empirisch häufigen Faktoren fehlt in dem Artikel von Kalff und Koautoren die Adipositas, speziell wenn sie zu einer Hyperlordose der Lendenwirbelsäule geführt hat. Dabei handelt es sich nach vielen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte nicht nur um einen Risikofaktor für internistische Komplikationen, sondern auch für Schmerzen im Bereich der unteren Körperhälfte – ausgehend von Lendenwirbelsäule, Hüften, Knien, Sprunggelenken und Füßen (2 – 4).

Werden gerade bei älteren Menschen Multimorbidität und die im Alter verstärkte Individualität einbezogen, so wundert die Folgerung der Autoren nicht, dass „eine Evidenz-basierte Empfehlung […] beim älteren Menschen […] aufgrund fehlender randomisierter Studien nicht formuliert werden“ kann, zumal solche Studien ja nicht an solchen Patienten durchgeführt werden, die den Ablauf randomisierter Studien stören. Vielleicht sollten wir zur Empfehlung aus der Zeit des Hippokrates von Kos (um 460–370 v. Chr.) beziehungsweise des Aristoteles (384–322 v. Chr.) zurückkehren, dass die Methodik der Problematik angemessen sein muss – und nicht nach mechanistischen Algorithmen abzulaufen hat.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0039b

PD Dr. med. Roland Wörz

Neurologie, Psychiatrie,
Spezielle Schmerztherapie,
Klinische Geriatrie, Bad Schönborn

woerz.roland@t-online.de

1.
Kalff R, Ewald C, Waschke A, Gobisch L, Hopf C: Degenerative lumbar spinal stenosis in older people—current treatment options. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(37): 613–24. VOLLTEXT
2.
Benecke A, Vogel H: Übergewicht und Adipositas. Gesundheitsberichtserstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch-Institut 2003; 16: 17.
3.
McGoey BV, Deitel M, Saplys RJ, Kliman ME: Effect of weight loss on musculoskeletal pain in the morbidly obese. J Bone Joint Surg Br 1990; 72: 322–3. MEDLINE
4.
Peltonen M, Lindroos AK, Torgerson JS: Muskuloskeletal pain in the obese: a comparison with a general population and long-term changes after conventional and surgical obesity treatment. Pain 2003; 104: 549–57. CrossRef MEDLINE
1.Kalff R, Ewald C, Waschke A, Gobisch L, Hopf C: Degenerative lumbar spinal stenosis in older people—current treatment options. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(37): 613–24. VOLLTEXT
2.Benecke A, Vogel H: Übergewicht und Adipositas. Gesundheitsberichtserstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch-Institut 2003; 16: 17.
3.McGoey BV, Deitel M, Saplys RJ, Kliman ME: Effect of weight loss on musculoskeletal pain in the morbidly obese. J Bone Joint Surg Br 1990; 72: 322–3. MEDLINE
4.Peltonen M, Lindroos AK, Torgerson JS: Muskuloskeletal pain in the obese: a comparison with a general population and long-term changes after conventional and surgical obesity treatment. Pain 2003; 104: 549–57. CrossRef MEDLINE

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