ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Cologne Fine Art: Rückbesinnung auf die Wurzeln

KULTUR

Cologne Fine Art: Rückbesinnung auf die Wurzeln

Dtsch Arztebl 2014; 111(3): A-90 / B-80 / C-74

Jaeschke, Helmut

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Die Kölner Messe trat recht selbstbewusst auf. Die interessantesten Entdeckungen ließen sich im Bereich der Kunst der klassischen Moderne machen.

Auch rare Oldtimer-Automobile, wie der Bugatti Type 57 Atalante 1936, wurden in der Cologne Fine Art gezeigt. Foto: Gerda Jaeschke
Auch rare Oldtimer-Automobile, wie der Bugatti Type 57 Atalante 1936, wurden in der Cologne Fine Art gezeigt. Foto: Gerda Jaeschke

Gleichberechtigt neben der seit zehn Jahren etablierten, auf aktuelle Kunst spezialisierten Frieze Art Fair fand in London im letzten Jahr zum zweiten Mal die Frieze Masters statt. Offensichtlich will man sich in London das lukrative Geschäft mit der klassischen Moderne nicht von der Art Basel wegnehmen lassen, ja, mit der Teilnahme von Altmeister-Galerien wie Bernheimer-Colnaghi auf der Frieze Masters will man sich auch als Konkurrent der The European Fine Art Fair (TEFAF) in Maastricht positionieren.

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Die letztjährige Cologne Fine Art bestätigte diesen Trend: weg von allzu flippigem Zeitgeist hin zur Rückbesinnung auf die kunstgeschichtlichen Wurzeln. Allerdings war die Cologne Fine Art von Anfang an im Nachteil gegenüber der übermächtigen TEFAF in der Nachbarschaft. Doch die Messe trat recht selbstbewusst auf. Die Ausstellungsarchitektur unterstützte in gediegenem Schwarz-Weiß den musealen Charakter der Exponate, die von Terrakotten aus der chinesischen Tang-Dynastie bis hin zu raren Oldtimer-Automobilen reichten. Letztere waren allerdings nicht verkäuflich, sondern in einer Sonderpräsentation „Stilikonen“ zu bestaunen.

Neben Barockmöbeln (Dr. Schmitz-Avila, Würzburg), Biedermeiermöbeln (Schlapka, München), 50er Jahre Design (Jochum, Berlin) und diversen Schmuckgalerien stellten circa 50 Prozent der knapp 100 Galerien Kunst des 20. Jahrhunderts aus, der Anteil der Galerien mit Altmeistergemälden und Kunst des 19. Jahrhunderts betrug lediglich 20 Prozent. Folglich konnte man die interessantesten Entdeckungen im Bereich der Kunst der klassischen Moderne machen. Eines der schönsten Exponate hatte die Galerie Schwarzer, Düsseldorf, mitgebracht. Mit 1,9 Millionen Euro war das Stillleben von Max Beckmann nicht eben niedrig eingeschätzt, verglichen mit dem kürzlich auf einer Auktion in New York für die aberwitzige Summe von 142 Millionen Dollar zugeschlagenen Triptychon von Francis Bacon dürfte diese Preisgestaltung realistischer und nachhaltiger sein.

Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz

Aber es ging auch preiswerter: Ein frühes Ölbild (1969/70) von Horst Antes, kein „Kopffüßler“, sondern lediglich ein hinreißend gemalter Kopf, wurde von der Galerie Utermann, Dortmund, für 56 000 Euro angeboten. Ganz im Trend zur Rückbesinnung auf das kollektive kunstgeschichtliche Gedächtnis liegen die Skulpturen von Hede Bühl, welche die Galerie Swetec, Düsseldorf, vorstellte. Einerseits findet man bei ihren Köpfen aus Bronze und Granit Anklänge an ägyptische Mumien, die strenge formale Bindung verortet sie jedoch zwanglos in die Nähe von Brancusi oder Henry Moore. Die Preise von 22 000 Euro für die Bronzen und 29 000 Euro für den Granitkopf sind moderat und haben Potenzial nach oben.

Die Veranstalter der Cologne Fine Art zogen nach Ende der Messe eine durchweg positive Bilanz. Die Besucherzahlen lagen mit 14 000 noch einmal um 500 höher als im Vorjahr, und die Galerien und Kunsthändler meldeten gute bis sehr gute Verkäufe sowohl bei Antiquitäten und Altmeistergemälden als auch im Bereich der klassischen Moderne, offensichtlich ist das Interesse an Investitionen in Sachwerte ungebrochen. Die nächste Cologne Fine Art findet vom 19. bis 23. November statt. Informationen: www.colognefineart.de.

Dr. med. Helmut Jaeschke

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