ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Stethoskop: Äskulapstab als Symbol ärztlicher Ratlosigkeit

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Stethoskop: Äskulapstab als Symbol ärztlicher Ratlosigkeit

Dtsch Arztebl 2014; 111(3): A-87 / B-77

Poll, Andreas

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Dass sich das Stethoskop über viele Medizinergenerationen so verdient gemacht hat, wie kaum ein anderes Untersuchungsgerät, ist vielleicht damit zu erklären, dass es kaum reparaturanfällig oder wartungsbedürftig ist, und dass die zum Betrieb nötige Energie der behorchte Thorax gratis liefert. Das alles macht es tauglich für den Gebrauch im Straßengraben, Feldlazarett, Urwaldkrankenhaus, ja selbst im Finstern. Dies besonders, weil es gar nicht den Anspruch erhebt, seinen Benutzer irgendetwas sehen, erblicken oder betrachten zu lassen – und sich insofern von Mikro-, Tele-, Kaleido-, Horo-, und den variantenreichen Endoskopen unterscheidet, die alle dem Arztauge etwas anzubieten haben.

Zwar hätten gewiss schon unsere Kollegen in der Antike . . . gern gesehen, was ihren Patienten fehlte, und tauften das Horchrohr „Brustbetrachter“, obgleich zu seiner Anwendung schon das Kassendreieck zwischen zwei Hemdenknöpfen notfalls reichte, und der Horcher an der Brustwand auch blind sein durfte. Vielleicht ein Ausdruck ahndungsvoller Erwartung der Segnungen, die „bildgebende Verfahren“ unseren modernen Kollegen inzwischen bescherten, und die das Stethoskop heute zwar alt aussehen lassen, ihm aber dennoch einen unverwelklichen Chic an jugendlichen Hälsen verliehen . . .

Während das Stethoskop sich im Praxisalltag immer noch bewährt, ist doch der Äskulapstab eigentlich ein Symbol ärztlicher Ratlosigkeit: Ich hatte in meinem ganzen Berufsleben keine Gelegenheit, einen Medinawurm (Dracunculus medinensis) daran aufzuwickeln.

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Dr. Andreas Poll, 46325 Borken

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