ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Rosazea: Bei Kindern dominieren okuläre Symptome

MEDIZINREPORT

Rosazea: Bei Kindern dominieren okuläre Symptome

Dtsch Arztebl 2014; 111(3): A-82 / B-72 / C-67

Potz-Biedermann, Christiane; Schaller, Martin; Zierhut, Manfred

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Der Augenbefund bei Rosacea ophthalmica stellt meist eine Blepharokonjunktivitis mit nachfolgendem trockenem Auge dar; selten führt eine Rosazeakeratitis zu einem Hornhautulkus. Foto: Universitätsklinikum Tübingen, Universitätshautklinik

Die Manifestation der Rosazea am Auge weist im Vergleich zu Erwachsenen eine deutlich höhere Komplikationsrate auf – nicht selten ist die Hornhaut beteiligt.

Rosazea ist eine Erkrankung des mittleren Lebensalters, die ungefähr zehn Prozent der Allgemeinbevölkerung betrifft (1). In der Regel entwickeln sich auf einem persistierenden Erythem mit Teleangiektasien Papeln und Pusteln, bei besonders schweren Verlaufsformen eine Talgdrüsenhyperplasie mit Fibrose (Phyme). Eine Augenbeteiligung (Rosacea ophthalmica) tritt bei circa 30 bis 50 Prozent der Patienten in Form einer Blepharitis und Keratitis auf. Gerade bei Kindern sind schwere Verläufe mit starker Sehbeeinträchtigung nicht selten (2, 3, 4).

Bei Kindern kann die kutane Rosazea sehr diskret sein und einer perioralen Dermatitis ähneln (2). Die Kennzeichen in diesem Alter sind Gesichtserythem, Teleangiektasien, Flush, Papeln und Pusteln, die beschränkt sind auf Wangen, Kinn, Nasolabialfalte und Stirn. In diesem Lebensalter wurden bisher keine Phyme beschrieben.

Führend sind häufig okuläre Beschwerden, die im Vergleich zu Erwachsenen eine deutlich höhere Komplikationsrate aufweisen und nicht selten zur Hornhautbeteiligung führen. Die Rosacea ophthalmica bei Kindern kann allein oder mit kutanen Manifestationen erscheinen. Klinische Symptome am Auge sind:

  • chronische Rötung
  • Brennen, Tränen und Fremdkörpergefühl
  • Lichtempfindlichkeit.

Ophthalmologische Untersuchungsbefunde am Auge sind:

  • Blepharitis mit Entzündung der Meibomdrüsen
  • konjunktivale Hyperämie
  • Hagelkörner (Chalazien)
  • eine Hornhautbeteiligung mit Infiltration, Ulzeration, Gefäßneubildung und Narbenbildung.

Nach der Diagnose einer Rosacea ophthalmica ist – abhängig vom Schweregrad – eine topische oder eine kombiniert topische und systemische Therapie nötig. Bei leichter Form (Blepharitis, Konjunktivitis ohne Hornhautbeteiligung) werden eine regelmäßige Lidrandhygiene sowie lipidhaltige Tränenersatzmittel empfohlen. Bei mittelschwerer (persistierende Blepharitis oder Hornhaut-Neovaskularisationen oder Randinfiltrate der Hornhaut) bis schwerer (ulzerative Keratitis) Ophthalmorosazea können zusätzlich antibiotikahaltige Salben und steroidhaltige Augentropfen notwendig sein (1). Immunogene Hornhautinfiltrate bessern sich nur, wenn topisches Antibiotikum und Steroid gleichzeitig angewendet werden.

Aufgrund potenzieller Nebenwirkungen (zum Beispiel Augeninnendruckerhöhung, Kataraktentwicklung) sollten topische Kortikosteroide nur vorübergehend angewendet werden. Alternativ kann topisches Cyclosporin A als antientzündliche Erhaltungstherapie eingesetzt werden. Auf die Verwendung konservierungsmittelfreier Augentropfen muss dringend geachtet werden.

Wesentlich ist hier auch die Gabe von systemischen Antibiotika: Tetrazykline, insbesondere Doxyzyklin und Minozyklin, sind das Mittel der Wahl. Tetrazykline dürfen nicht bei Kindern unter acht Jahren angewendet werden, da sie zu einer Verfärbung der Zähne und erhöhter Frakturanfälligkeit durch Einbau in Knochen und Zähne führen können. Hier sind daher Makrolide, vor allem Erythromycin, sinnvoll.

Insgesamt sollte bei schweren Verläufen der okulären Rosazea eine Gesamtbehandlungsdauer von sechs bis zwölf Monaten angestrebt werden (5). Nach unseren klinischen Erfahrungen empfehlen wir eine Initialtherapie mit Doxyzyklin 2 × 50 mg täglich. Nach sechs Monaten kann bei stabilem Befund die Dosis auf 40 mg Doxyzyklin (30 mg werden sofort und 10 mg verzögert freigesetzt) verringert werden. Diese allein nur antiinflammatorisch wirksame Dosierung hat signifikant weniger Nebenwirkungen wie Dyspepsie, Phototoxizität und Erhöhung der Leberenzyme und vermeidet bakterielle Resistenzen. Damit eignet sich Doxyzyklin niedrig dosiert wie oben beschrieben hervorragend zur Langzeittherapie.

Eine entsprechende Therapieeinleitung führt zur Abheilung der Keratitis mit Neovaskularisationen und vermindert das Risiko okulärer Komplikationen wie Ulzerationen.

Dr. med. Christiane Potz-Biedermann

Prof. Dr. med. Martin Schaller

Universitäts-Hautklinik, Universitätsklinikum Tübingen, Deutschland

Prof. Dr. med. Manfred Zierhut
Universitäts-Augenklinik, Universitätsklinikum Tübingen, Deutschland

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit0314

1.
Donaldson KE, Karp KC, Dunbar MT: Evaluation and treatment of children with ocular rosazea. Cornea 2007, 26: 42–6 CrossRef MEDLINE
2.
Hong E, Fischer G: Childhood ocular rosacea: Considerations for diagnosis and treatment. Australas J Dermatol 2009; 50: 272–5 CrossRef MEDLINE
3.
Nazir SA, Murphy S, Siatkowski RM, Chodosh J, Siatkowski RL: Ocular rosacea in childhood. Am J Ophtalmol 2004; 137: 138–44 CrossRef MEDLINE
4.
Chamaillard M, Mortemousque B, Boralevi F, Marques da Costa C, Aitali F, Taib A, Léauté-Labrèze C: Cutaneous and ocular sign of childhood rosacea. Arch Dermatol 2008; 144: 167–71 CrossRef MEDLINE
5.
Cetinkaya A, Akova YA: Pediatric ocular acne rosazea: Long-term treatment with systemic antibiotics. Am J Ophtalmol 2006; 142: 816–21 CrossRef MEDLINE
1.Donaldson KE, Karp KC, Dunbar MT: Evaluation and treatment of children with ocular rosazea. Cornea 2007, 26: 42–6 CrossRef MEDLINE
2.Hong E, Fischer G: Childhood ocular rosacea: Considerations for diagnosis and treatment. Australas J Dermatol 2009; 50: 272–5 CrossRef MEDLINE
3.Nazir SA, Murphy S, Siatkowski RM, Chodosh J, Siatkowski RL: Ocular rosacea in childhood. Am J Ophtalmol 2004; 137: 138–44 CrossRef MEDLINE
4.Chamaillard M, Mortemousque B, Boralevi F, Marques da Costa C, Aitali F, Taib A, Léauté-Labrèze C: Cutaneous and ocular sign of childhood rosacea. Arch Dermatol 2008; 144: 167–71 CrossRef MEDLINE
5.Cetinkaya A, Akova YA: Pediatric ocular acne rosazea: Long-term treatment with systemic antibiotics. Am J Ophtalmol 2006; 142: 816–21 CrossRef MEDLINE

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