ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Gesundheitsversorgung: Falsche Erwartung
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Der Schlussfolgerung von Herrn Thielscher, die Ärzte hätten aufgrund des ökonomischen Druckes die Kontrolle über wichtige medizinische Entscheidungen verloren und müssten diese dringend zurückgewinnen, ist absolut zuzustimmen. Der skizzierte Lösungsansatz, Ärzte durch mehr ökonomische Kenntnisse dazu zu befähigen, ist jedoch nicht erfolgversprechend. Die Ärzteschaft würde sich dann in einer Auseinandersetzung mit den Ökonomen der Kliniken wiederfinden und über die Rechtfertigung und Notwendigkeit medizinischer Maßnahmen sowie deren ökonomische Bedeutung diskutieren anstatt Patienten zu behandeln. Vielmehr ist ein neuer, grundlegender gesellschaftlicher Konsens darüber notwendig, dass Krankenhäuser und ihr Personal dazu da sind, kranken und hilfebedürftigen Menschen gute Medizin zukommen zu lassen und nicht um „schwarze Zahlen“, also Kapital, zu generieren. Die Vorstellung, wir könnten kranke und schwer kranke Patienten nicht nur heilen, sondern auch noch Geld mit ihnen verdienen, kann nur als absurd beurteilt werden. Würden wir denn von einem Gericht erwarten, Recht zu sprechen, sich aber gleichzeitig selbst zu finanzieren und darüber hinaus auch noch „profitabel“ zu sein? Niemand kann dies allen Ernstes erwarten. Die medizinische Behandlung von Patienten in Krankenhäusern ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, die ihren Preis hat. Dieser muss kontrolliert werden, und die Effizienz in Krankenhäusern ist ein sehr wichtiges Thema. Die Erwartung aber, dass Krankenhäuser wie private Unternehmen vollständig nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen geführt werden müssten, konterkariert die Arbeit guter Ärzte in den Krankenhäusern, zerstört den Nutzen der Weiterentwicklung in der Medizin, und muss daher ein für alle Mal fallen.

Dr. med. Jakob Triebel, 44797 Bochum
Dr. med. Dominik Krüger, 12161 Berlin

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