ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Glaukomchirurgie: Die Trabekulektomie bleibt vorerst Methode der Wahl

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Glaukomchirurgie: Die Trabekulektomie bleibt vorerst Methode der Wahl

Dtsch Arztebl 2014; 111(3): A-84 / B-74 / C-69

Gerste, Ronald D.

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Die Trabekulektomie gilt im Zusammenhang mit der Glaukomchirurgie als „Goldstandard“: Zur Senkung des Intraokulardrucks (IOD) werden ein Kammerwasserabfluss nach außen und eine Fistel oder ein Sickerkissen unter die Bindehaut gelegt.

Neuere chirurgische Strategien sind die tiefe Sklerektomie, die 360°-Kanaloplastik und das Einsetzen von Drainageimplantaten. Eine britische Studie an 9 auf Glaukomchirurgie spezialisierten Zentren hat die operativen Ergebnisse von 395 Patienten (428 Augen) retrospektiv analysiert.

Zwei Jahre nach dem Eingriff lag der IOD im Durchschnitt bei 12,4 mm Hg. Präoperativ hatte das Kollektiv einen Durchschnitts-IOD von 23 mm Hg. Das in der Glaukomchirurgie häufig als Erfolgskriterium definierte Absenken des IOD um mindestens 20 % vom Ausgangswert und auf Druckwerte von höchstens 18 mm Hg erreichten 78 % der Augen nach 2 Jahren ohne zusätzliche drucksenkende Medikamente; wenn Augentropfen nehmende Patienten mitgezählt wurden, lag die Erfolgsquote bei 86 %, allerdings bei relativ häufigen postoperativen Interventionen wie der subkonjunktivalen Injektion von 5-Fluorouracil, einem antifibrotischen Medikament, das die Vernarbung des Sickerkissens verhindern soll. Wichtigste Komplikation ist eine späte Hypotonie (bei 7,2 % der Augen), ein mehr als 6 Monate nach der Operation einsetzendes Sinken des IOD auf sehr niedrige (< 6 mm Hg) Werte.

Änderung des durchschnittlichen Intraokulardrucks zu verschiedenen Zeitpunkten nach Trabekulektomie
Änderung des durchschnittlichen Intraokulardrucks zu verschiedenen Zeitpunkten nach Trabekulektomie
Grafik
Änderung des durchschnittlichen Intraokulardrucks zu verschiedenen Zeitpunkten nach Trabekulektomie

Fazit: Die Trabekulektomie hatte in einer großen, britischen Untersuchung ein gutes Sicherheitsprofil – in anderen Studien waren die Komplikationsraten höher – und vermag bei Glaukompatienten den IOD sehr effektiv zu senken: nahezu eine Halbierung des IOD wie in dieser aktuellen Studie ist mit topischen Medikamenten praktisch nicht möglich. Dr. med. Ronald D. Gerste

Kirwan JF, Lockwood AJ, Shah P, et al.: Trabeculectomy in the 21st Century. Ophthalmology 2013; 120: 2532–9. MEDLINE

Änderung des durchschnittlichen Intraokulardrucks zu verschiedenen Zeitpunkten nach Trabekulektomie
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Änderung des durchschnittlichen Intraokulardrucks zu verschiedenen Zeitpunkten nach Trabekulektomie

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