ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Dr. med. Maria Dung-Pham, Allgemeinärztin in Hanoi: Entwicklungszusammenarbeit – Ein Leben für die Menschen in Vietnam

THEMEN DER ZEIT: Porträt

Dr. med. Maria Dung-Pham, Allgemeinärztin in Hanoi: Entwicklungszusammenarbeit – Ein Leben für die Menschen in Vietnam

Dtsch Arztebl 2014; 111(3): A-78 / B-68 / C-64

Kubisch, Bernd

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Als junge Krankenschwester betreute sie Kriegsopfer im Vietnamkrieg. Heute setzt sich die Norddeutsche von Hanoi aus als Fachärztin für eine bessere Gesundheitsversorgung in den Dörfern des Landes ein.

Als Ärztin etwas bewirken: Maria Dung-Pham beim Besuch des Viet- Duc-Hospitals in Hanoi. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit berät die Deutsche Gesundheitseinrichtungen in Vietnam. Fotos: Bernd Kubisch
Als Ärztin etwas bewirken: Maria Dung-Pham beim Besuch des Viet- Duc-Hospitals in Hanoi. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit berät die Deutsche Gesundheitseinrichtungen in Vietnam. Fotos: Bernd Kubisch

Als Krankenschwester kann ich viel, als Ärztin jedoch viel mehr bewirken.“ Das ist ein Kernsatz im Leben von Dr. med. Maria Dung-Pham. Die Medizinerin aus Salzgitter in Niedersachsen, die den Nachnamen ihres Ehemannes aus Saigon annahm, hat im Vietnamkrieg als Schwester unter Lebensgefahr gearbeitet und Schreckliches erlebt: „Alles hat mich berührt, vor allem die verletzten, schreienden Kinder.“ Die liegen ihr auch heute am Herzen, wenn sie als Ärztin mit ihren Partnern aus Hanoi in Dörfern der Ärmsten bei der Verbesserung des Standards kleiner Kliniken und medizinischer Versorgung hilft.

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Vorzeigekrankenhaus für das Land ist immer noch die Vietnamesisch-Deutsche Klinik, das Viet-Duc-Hospital in Hanoi. Auf dem großen Freigelände ist es lebhaft: Zwei Sanitäter laden einen Verletzten aus einem Ambulanzwagen. Besucher fragen nach Gebäuden und Stationen. Auf einem Parkplatz steht ein halbes Dutzend Krankenwagen bereit. „In Hanoi ist die Gesundheitsversorgung im Vergleich zur Provinz recht gut“, sagt die Deutsche.

Auf dem Land haben viele Patienten hingegen nur wenig Vertrauen in ihre meist schlechter ausgestatteten kleinen Kliniken. „Wenn sie es sich leisten können, bevorzugen sie ein Krankenhaus in der nächsten Stadt“, erläutert die 65-Jährige. Deshalb seien Kliniken in Provinzhauptstädten und Metropolen wie Hanoi oft überbelegt.

Vorzeigeprojekt: Das Vietnamesisch- Deutsche Viet-Duc- Krankenhaus wurde vor der Wiedervereinigung vom sozialistischen „Bruderstaat“ DDR unterstützt. Rund um die Klinik haben sich zahlreiche kleine Apotheken angesiedelt.
Vorzeigeprojekt: Das Vietnamesisch- Deutsche Viet-Duc- Krankenhaus wurde vor der Wiedervereinigung vom sozialistischen „Bruderstaat“ DDR unterstützt. Rund um die Klinik haben sich zahlreiche kleine Apotheken angesiedelt.

Die Ärztin für Allgemeinmedizin mit einem Diplom in Tropenmedizin und einem Master in Public Health arbeitet für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Sie ist als Beraterin für das deutsch-vietnamesische Programm „Stärkung dezentraler Gesundheitssysteme“ regelmäßig in den fünf Provinzen Yen Bai, Thai Binh, Thanh Hoa, Nghe An und Phu Yen unterwegs. In vielen Dörfern fühlen sich hier ethnische Minderheiten, Arme und Frauen oft benachteiligt bei der medizinischen Versorgung. Verantwortliche in 26 Kliniken in diesen Provinzen erhalten nun Training und Beratung in Sachen Hygiene, kostenbewusster Planung und modernem Management.

Das Viet-Duc-Hospital – Duc steht für Deutschland – war vor der deutschen Wiedervereinigung dank Unterstützung aus dem sozialistischen „Bruderland“ DDR das Nonplusultra der gesamten Region. Dung-Pham sagt: „Im Rahmen unseres Programms schicken wir heute Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern zur Fortbildung hierher, zum Beispiel, wenn sie noch unerfahren in der Ultraschalldiagnostik sind.“

Ärzte und andere Partner schätzen die deutsche Medizinerin, die schon lange fließend vietnamesisch spricht. In einem Café in Hanoi berichtet Dung-Pham von früher und wie sie vor mehr als 40 Jahren nach Vietnam kam: geboren in Salzgitter, Ausbildung als Krankenschwester in Braunschweig, Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in Berlin, der Wunsch, zu helfen, etwas zu tun. „Ich bewarb mich beim Malteser Hilfsdienst in Köln. Mit Lufthansa flog ich nach Saigon. Dort konnte ich die Mörser hören. Die Stadt Da Nang war schwer umkämpft. Der Krieg war grausam. Doch ich hatte Glück.“ Einige ihrer engsten Kollegen und Kolleginnen starben oder wurden entführt. 1975 kehrte die Krankenschwester nach der Arbeit in mehreren Kliniken Südvietnams wieder nach Deutschland zurück.

Die zierliche Frau bestellt sich noch einen Kaffee und ein Stück Schokoladenkuchen. Die Klimaanlage kühlt kräftig. Dieses Café ist keines für arme Vietnamesen, von denen manche als Reisbauern nur zwei oder drei Dollar am Tag verdienen. Doch das Land ist im Aufschwung, wie besonders in der Metropole Hanoi zu sehen ist.

Dung-Pham erzählt weiter: Nach dem Studium und der Arbeit als Ärztin in Hamburg und Schleswig-Holstein sei ihr immer klarer geworden, dass sie als Ärztin viel mehr in Vietnam bewirken könne. Wieder ging sie mit den Maltesern dorthin, arbeitete auch für andere Organisationen in Gesundheits- und Sozialprojekten. „Seit 2010 bin ich bei der GIZ. Hier kann ich langfristig etwas Grundlegendes mitaufbauen, habe viele Freiräume.“

Nach Einschätzung ihres vietnamesischen Ansprechpartners und Kollegen Tran Quy Tuong läuft die Zusammenarbeit beider Länder gut. Es gebe erhebliche Fortschritte bei der Gesundheitsversorgung auf dem Lande. Das bestätigen die GIZ und das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Hanoi gemeinsam: In den fünf ausgewählten Provinzen „hat sich der Zugang der armen und benachteiligten Bevölkerung zu dezentralen, bedarfsgerechten und qualitätsgesicherten Gesundheitsdienstleistungen verbessert“. Die Entwicklungsbank KfW unterstützt das Programm durch die Beschaffung medizinischer Geräte, wie zum Beispiel Ultraschall-, Röntgen- und Beatmungsgeräte.

Es gibt noch viele ungelöste Probleme im Gesundheitssystem des Landes: Die Hygiene lässt vielerorts zu wünschen übrig. In vielen Kliniken liegen bis zu 40 Patienten in einem Raum. Die Angehörigen müssen sie mit Essen versorgen und auch die Grundpflege übernehmen. Die bevorzugte Behandlung von reicheren Patienten, die ihre Rechnungen in bar bezahlen, ist auch Ge­sund­heits­mi­nis­terin Nguyen Thi Kim Tien ein Dorn im Auge, wie sie die Presse wissen ließ.

Auf dem Land gehe es „Schritt für Schritt voran“, sagt Dung-Pham und nennt ein Beispiel: Das Distrikthospital Tay Bac musste fast alle Neugeborenen bei Problemen in das 130 Kilometer entfernte Provinzkrankenhaus schicken. Viele Kinder überlebten das nicht. Nachdem ein Team aus Arzt und Schwester im Viet-Duc-Hospital eine Weiterbildung machte, haben sie in Tay Bac eine kleine Intensivstation eingerichtet, in der sie die Kinder jetzt selbst behandeln.

Ein weiteres Beispiel: Ein Arzt aus dem Krankenhaus Quynh Luu wurde zur Fortbildung in endoskopischer Operationstechnik geschickt. Inzwischen hat er mehr als 30 Eingriffe selbst durchgeführt. Die Fachärztin betont: „So wird die medizinische Versorgung auf dem Lande nach und nach verbessert, und der Druck auf die größeren Krankenhäuser nimmt ab.“

Bernd Kubisch

@Kontakt: maria.dung-pham@giz.de

Die Arbeit der GIZ

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gibt es seit 2011. Sie entstand durch die Fusion der drei staatlichen Entwicklungsorganisationen Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Deutscher Entwicklungsdienst und InWEnt (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH).

Als Bundesunternehmen unterstützt die GIZ die Bundesregierung bei der Umsetzung ihrer entwicklungspolitischen Ziele. Wichtigster Auftraggeber ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Zu den Arbeitsfeldern der GIZ zählen die Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, der Aufbau von staatlichen und demokratischen Strukturen, die Förderung von Frieden, Sicherheit und Wiederaufbau, die zivile Konfliktbearbeitung, die Sicherung von Ernährung, Gesundheit und Grundbildung sowie der Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz. In akuten Notsituationen führt die GIZ auch Nothilfe- und Flüchtlingsprogramme durch.

Die Gesellschaft ist in mehr als 130 Ländern tätig und beschäftigt weltweit etwa 17 000 Mitarbeiter – 70 Prozent von ihnen sind einheimische Kräfte. Hinzu kommen circa 900 Entwicklungshelfer. Die GIZ hat ihren Sitz in Bonn und Eschborn. Das Geschäftsvolumen lag Ende 2012 bei 2,1 Milliarden Euro.

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