ArchivDeutsches Ärzteblatt3/2014Gesetzliche Unfallversicherung: Jeder Vertragsarzt darf abrechnen

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Gesetzliche Unfallversicherung: Jeder Vertragsarzt darf abrechnen

Dtsch Arztebl 2014; 111(3): A-92 / C-76

Berner, Barbara

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Bei mehr als einer Million Arbeits- und Wegeunfällen im Jahr empfiehlt sich für Ärzte die Kenntnis des Vertrages Ärzte/Unfallversicherungsträger.

Regelmäßig werden im Deutschen Ärzteblatt Mitteilungen nach § 52 des Vertrages Ärzte/Unfallversicherungsträger veröffentlicht. Hintergrund sind Vereinbarungen zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und den Verbänden der Unfallversicherungsträger, die nach dem Sozialgesetzbuch VII verpflichtet sind, die ärztliche Heilbehandlung in der Unfallversicherung näher auszugestalten. Insbesondere haben die Unfallversicherungsträger alle Maßnahmen zu treffen, durch die eine möglichst frühzeitige nach dem Versicherungsfall einsetzende sachgemäße Heilbehandlung sichergestellt wird. Dabei ist die Heilbehandlung als Sachleistung zu gewähren. Darüber hinaus trägt die Unfallversicherung die Verantwortung für die Durchführung der Heilbehandlung und kann hierzu besondere Qualitätsanforderungen an Ärzte und Krankenhäuser stellen (1).

Eine Million Unfälle jährlich

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Die Unfallversicherungsträger haben mit der KBV die Durchführung der Heilbehandlung, die Vergütung der Ärzte sowie Art und Weise der Abrechnung zu regeln. Als Anlage zum Vertrag ist ein Gebührenverzeichnis, die UV-GOÄ, vereinbart worden, die die abrechnungsfähigen Leistungen und deren Vergütung beinhaltet. Jeder Vertragsarzt, der einen Unfallverletzten behandelt, kann nach den Regelungen des Vertrages Ärzte/Unfallversicherungsträger behandeln und nach der UV-GOÄ abrechnen (2).

Arbeitnehmer, Schüler, Kindergartenkinder, ehrenamtlich Tätige sowie Arbeitssuchende zählen zum Kreis derjenigen, die gegen das Risiko eines Unfalls gesetzlich versichert sind. Zum versicherten Risiko gehört auch der Wegeunfall. Bei mehr als einer Million Arbeits- und Wegeunfällen im Jahr 2012, so die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), empfiehlt sich für Ärzte die Kenntnis von diesem Regelwerk.

In vielen Fällen ist der Hausarzt/Vertragsarzt die erste Anlaufstelle, wenn ein Arbeitsunfall passiert. Der Vertragsarzt leistet in der Regel die erste ärztliche Versorgung des Unfallverletzten. Ihm obliegt neben der Behandlung die Prüfung, ob der Verletzte über den Unfalltag hinaus arbeitsunfähig und/oder die Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche erforderlich ist und eine Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln erfolgen muss. In diesen Fällen ist der Arzt verpflichtet, den Unfallverletzten zur unverzüglichen Vorstellung bei einem Durchgangsarzt anzuhalten. Bei isolierten Augen- oder HNO-Verletzungen erfolgt die Überweisung an den jeweiligen Facharzt.

Durchgangsärzte sind von den Landesverbänden der DGUV per Verwaltungsakt beteiligte Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie, die besondere fachliche und organisatorische Voraussetzungen erfüllen müssen. Nur der Durchgangsarzt darf für die Unfallversicherung entscheiden, ob wegen Art und Schwere der Verletzung eine besondere unfallmedizinische Versorgung in Form ambulanter oder stationärer Heilbehandlung einzuleiten ist oder ob Maßnahmen der allgemeinen Heilbehandlung ausreichend sind.

Der Vertragsarzt, der den Unfallverletzten behandelt, ist verpflichtet, der Unfallversicherung den Unfall zu melden, wenn keine Vorstellung beim Durchgangsarzt erfolgt. Mit dem Formular F1050 kann auch die Behandlung abgerechnet werden. Vertragsärzte führen die unfallbedingte Behandlung als allgemeine Heilbehandlung durch. Besondere Heilbehandlung darf grundsätzlich nur von Durchgangsärzten oder Handchirurgen durchgeführt und abgerechnet werden. Als allgemeine Heilbehandlung wird nach dem Vertrag Ärzte/Unfallversicherungsträger die ärztliche Versorgung einer Unfallverletzung bezeichnet, die nach Art oder Schwere weder eines besonderen personellen, apparativ-technischen Aufwandes noch einer spezifischen unfallmedizinischen Qualifikation des Arztes bedarf.

Abrechnung in vier Wochen

Abgerechnet werden können die Behandlungskosten und die besonderen Kosten und Entschädigungen. Die Rechnung geht an die zuständige Unfallversicherung. Die Unfallversicherungsträger sind verpflichtet, Arztrechnungen innerhalb von vier Wochen zu begleichen. Ist dies nicht möglich, ist der Arzt vom Unfallversicherungsträger unter Angabe der Gründe zu benachrichtigen. Die Kosten der unfallbedingten Behandlung gehen bis zu deren Abschluss zulasten des Unfallversicherungsträgers. Auch wenn Zweifel am Vorliegen eines Arbeitsunfalls bestehen, bleibt die Leistungspflicht des Unfallversicherungsträgers zunächst erhalten.

Die KBV hat zu dem Thema eine Praxisinformation erstellt. Ärzte finden diese sowie weitere Informationen zur Behandlung von Patienten nach einem Arbeits- oder Wegeunfall (unter anderem den Vertrag Ärzte/Unfallversicherungsträger und die UV-GOÄ) im Internet unter www.kbv.de. Die Formtexte der Unfallversicherung sowie die Adressen der zuständigen Unfallversicherungsträger können unter www.dguv.de heruntergeladen werden.

Barbara Berner, KBV-Rechtsabteilung

1.
Eichenhofer E, Wenner U: Kommentar zum SGB VII § 34 Rz. 7. Köln: Luchterhand.
2.
Effer E (Begr.): Kommentar zum Vertrag Ärzte/Unfallversicherung und zum Gebührenverzeichnis. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.
1.Eichenhofer E, Wenner U: Kommentar zum SGB VII § 34 Rz. 7. Köln: Luchterhand.
2.Effer E (Begr.): Kommentar zum Vertrag Ärzte/Unfallversicherung und zum Gebührenverzeichnis. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag.

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