ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2014Einsatz von Heparin überdenken
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Intrakranielle Blutungen sind schwerwiegende Komplikationen bei Frühgeborenen. In dem Artikel von Schmid und Mitarbeitern (1) wird aufgeführt, dass die Hirnblutungsrate bei Frühgeborenen durch eine prospektive Überwachung von Risikofaktoren deutlich reduziert werden kann. Dies ist eine sinnvolle prophylaktische Maßnahme. Aus der neonatalen Erhebung in Baden-Württemberg aus dem Jahre 2009 geht hervor, dass die Sepsis durch bakterielle Erreger die häufigste Ursache der intraventrikulären Blutungen ist, hämostaseologische Ursachen werden nicht erwähnt (2).

Häufig treten Blutungen in die germinale Matrix (3) als Folge eines venösen Infarktes auf. Die Ischämie ist Ursache der Blutung und wird von einer periventrikulären Leukomalazie begleitet. Diskutiert wird der protektive Einsatz von Magnesiumsulfat (3).

Wenn es sich jedoch tatsächlich um eine venöse Thrombose als Auslöser der Blutung handelt, sollte generell auch der Einsatz von Heparin erwogen werden, zum Beispiel 5–10 I.E. pro Stunde pro kg intravenös, da das Monitoring der Durchblutung im Gehirn in der Routine zur Prophylaxe der Blutung zu aufwendig ist (3). Vorher muss ein Gerinnungsstatus im Citratblut (Spritze mit 1,6 mL) erhoben werden, um eine Gerinnungsstörung auszuschließen, die häufig bei Frühgeborenen beobachtet wird (4). Sollte eine plasmatische Blutungsneigung festgestellt werden, darf kein Heparin, sondern es sollten Gerinnungsfaktoren verabreicht werden, zum Beispiel die Gerinnungsfaktoren II, VII, IX und X (PPSB) in einer Dosis von 20–50 I.E. pro kg Körpergewicht.

Die Messung des Blutbildes mit Thrombozyten sollte obligat sein, um eine Thrombozytopenie, zum Beispiel eine neonatale Alloimmunthrombozytämie (NAIT) auszuschließen.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0058a

Prof. Dr. Ing. Dr. med. Holger Kiesewetter

Berlin, info@haemostaseologicum.com

1.
Schmid MB, Reister F, Mayer B, Hopfner RJ, Fuchs H, Hummler HD: Prospective risk factor monitoring reduces intracranial hemorrhage rates in preterm infants. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(29–30): 489–96 VOLLTEXT
2.
Arbeitskreis der Neonatalerhebung der Bundesländer: Neonatalerhebung Baden-Württemberg 2009. Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen 2010; 1–80.
3.
Tsuj M, Saul JP, du Plessis A, et al.: Cerebral intravascular oxygenation correlates with mean arterial pressure in critically iII premature infants. Pediatrics 2000; 106: 625–32 CrossRef MEDLINE
4.
Bidlingsmaier C, Eberl W, Kurnik K: Perioperatives Gerinnungsmanagement im Kindesalter. Bremen, London, Boston: Uni Med Verlag AG 2007.
1.Schmid MB, Reister F, Mayer B, Hopfner RJ, Fuchs H, Hummler HD: Prospective risk factor monitoring reduces intracranial hemorrhage rates in preterm infants. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(29–30): 489–96 VOLLTEXT
2.Arbeitskreis der Neonatalerhebung der Bundesländer: Neonatalerhebung Baden-Württemberg 2009. Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen 2010; 1–80.
3.Tsuj M, Saul JP, du Plessis A, et al.: Cerebral intravascular oxygenation correlates with mean arterial pressure in critically iII premature infants. Pediatrics 2000; 106: 625–32 CrossRef MEDLINE
4.Bidlingsmaier C, Eberl W, Kurnik K: Perioperatives Gerinnungsmanagement im Kindesalter. Bremen, London, Boston: Uni Med Verlag AG 2007.

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