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Hirnblutungen bei Frühgeborenen sind am häufigsten auf die Unreife selbst zurückzuführen. Zusätzliche Faktoren wie Sepsis, Asphyxie oder postnataler Transport erhöhen das Blutungsrisiko, führen aber in Abwesenheit extremer Unreife selten zu Blutungen. Anders als bei Hirnblutungen reifer Neugeborener spielen primär hämostaseologische Ursachen hingegen selten eine Rolle.

Herr Prof. Kiesewetter gibt die pathogenetische Sequenz der Parenchymblutung als Folge einer germinalen Matrixblutung und anderer Faktoren zutreffend wieder (venöse Infarzierung bei Abflussbehinderung aus venösen Gefäßen). Diese Abflussbehinderung in den dünnwandigen, großkalibrigen venösen Sammelgefäßen ist vermutlich auf die Gefäßanatomie, den erhöhten intrathorakalen Druck und zum Teil iatrogene Druckschwankungen zurückzuführen, jedoch nicht typischerweise auf eine venöse Thrombose. Deshalb und in Anbetracht der blutungsfördernden Nebenwirkungen von Heparin muss von einer Heparintherapie zum gegenwärtigen Kenntnisstand dringend abgeraten werden (1).

Ein einziger Gerinnungsstatus, für den 1,6 mL Citratblut benötigt werden, entzieht einem Frühgeborenen mit einem Gewicht von 500 g circa 4 % seines Blutvolumens. Bei unsicherem altersspezifischem Referenzbereich und noch unsichereren Interventionsgrenzen sollte dieser Bestimmung eine sorgfältige Güterabwägung vorangehen. Auch Interventionsgrenzen bei Thrombopenie sind nicht evidenzbasiert (2).

Die Gabe von Magnesium wurde in unserer Arbeitsgruppe kontrovers diskutiert. Um die neuroprotektive Wirkung von Magnesium zu nutzen, ist eine hohe Serumkonzentration notwendig, die therapeutische Breite ist gering. Die Nebenwirkungen der Muskelhypotonie und Apnoe laufen dem Bestreben, eine Intubation und Beatmung zu vermeiden, zuwider. Daten aus dem deutschen Neonatologie-Netzwerk weisen auf eine erhöhte IVH-Rate (Hirnblutungsrate) in der Kombination mit Fenoterol hin. Für die Tokolyse gibt es Medikamente mit günstigerem Risikoprofil (3).

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0058b

Dr. med. Manuel B. Schmid

Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin

Ulm

manuel.schmid@uniklinik-ulm.de

Interessenkonflikt

Die Autoren beider Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Lesko SM, Mitchell AA, Epstein MF, Louik C, Giacoia GP, Shapiro S: Heparin use as a risk factor for intraventricular hemorrhage in low-birth-weight infants. N Engl J Med 1986; 314: 1156–60 CrossRef MEDLINE
2.
Muthukumar P, Venkatesh V, Curley A, et al.: Severe thrombocytopenia and patterns of bleeding in neonates: results from a prospective observational study and implications for use of platelet transfusions. Transfusion Med 2012; 22: 338–43 CrossRef MEDLINE
3.
Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36 VOLLTEXT
4.
Schmid MB, Reister F, Mayer B, Hopfner RJ, Fuchs H, Hummler HD: Prospective risk factor monitoring reduces intracranial hemorrhage rates in preterm infants. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(29–30): 489–96. VOLLTEXT
1.Lesko SM, Mitchell AA, Epstein MF, Louik C, Giacoia GP, Shapiro S: Heparin use as a risk factor for intraventricular hemorrhage in low-birth-weight infants. N Engl J Med 1986; 314: 1156–60 CrossRef MEDLINE
2.Muthukumar P, Venkatesh V, Curley A, et al.: Severe thrombocytopenia and patterns of bleeding in neonates: results from a prospective observational study and implications for use of platelet transfusions. Transfusion Med 2012; 22: 338–43 CrossRef MEDLINE
3.Schleußner E: The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227–36 VOLLTEXT
4.Schmid MB, Reister F, Mayer B, Hopfner RJ, Fuchs H, Hummler HD: Prospective risk factor monitoring reduces intracranial hemorrhage rates in preterm infants. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(29–30): 489–96. VOLLTEXT

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