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Allgemeinmedizin: Ärzte braucht das Land

Medizin studieren, 1/2014: 20

Richter-Kuhlmann, Eva

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Foto: Anja Jungnickel
Foto: Anja Jungnickel

Ob es die erneut vorgeschlagene Landarztquote geben sollte, ist umstritten.

Der neue Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) startete in sein Amt mit einem in der Bevölkerung populären Vorschlag: Er wolle sich um eine höhere Arztdichte in ländlichen Gebieten kümmern, sagte er. Das klingt zunächst gut. Doch wie soll es funktionieren? Gröhe hat eine Idee: Abiturienten, die sich verpflichten, nach ihrem Medizinstudium als Landärzte zu arbeiten, sollen über einen Notenbonus leichter einen Studienplatz erhalten. Einen Bonus könnte es nach seiner Ansicht auch für diejenigen geben, die ein freiwilliges soziales Jahr, zum Beispiel im Rettungsdienst oder der Pflege, geleistet haben.

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Über seine Gedanken will Gröhe nun mit den Wissenschaftsministern der Länder sprechen. In einigen Bundesländern, wie Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, werden nämlich Studierende, die Interesse an landärztlicher Tätigkeit haben, bereits besonders gefördert. Die Sorge um den ärztlichen Nachwuchs auf dem Lande ist nicht neu: Bereits 2009 hatte der Sachverständigenrat zur Begutachtung des Gesundheitswesens eine umfassende Nachwuchsförderung gefordert. Auch er schlug Stipendien vor, hielt diese allein allerdings nicht für ausreichend. Notwendig seien eine Verankerung der Allgemeinmedizin an allen Medizinfakultäten, ein Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin im praktischen Jahr, sichere organisatorische und finanzielle Bedingungen für die allgemeinmedizinische Weiterbildung und eine Aufwertung der hausärztlichen Arbeit in der Vergütung.

Dies sehen ärztliche Verbände ähnlich, darunter der Deutsche Hausärzteverband. Nach Ansicht des Bundesvorsitzenden Ulrich Weigeldt muss das Medizinstudium insgesamt auf den Prüfstand gestellt werden. „Wir brauchen in Deutschland mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin an jeder medizinischen Fakultät“, fordert er. Eine höhere Präsenz des Faches sei bedeutsam für die Laufbahnentscheidung junger Ärztinnen und Ärzte.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hält ein verpflichtendes Allgemeinmedizin-Quartal im praktischen Jahr sowie eine Verbesserung der Weiterbildung im Fach Allgemeinmedizin für zielführend. Auch den Vorschlag, dass ein freiwilliges soziales Jahr Bonuspunkte für die Zulassung zum Medizinstudium bringen soll, begrüßt Prof. Dr. med. Ferdinand Gerlach, Präsident der DEGAM. Eine Verpflichtung zur Landarztlaufbahn bereits zu Beginn des Studium hält er jedoch nicht für sinnvoll: „Einen 18-jährigen Abiturienten auf die nächsten 20 Jahre festlegen zu wollen, ist nicht lebenspraktisch gedacht“, sagte Gerlach im Gespräch mit „Medizin studieren“. Zudem würde es viel zu lange dauern, bis dieser Weg ans Ziel führe – nämlich elf bis 16 Jahre.

Viele Studenten sind da ähnlicher Meinung: „Medizinstudierende dürfen nicht zu einer bestimmten ärztlichen Tätigkeit gezwungen werden“, meint Jan Bauer, Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund. „Eine Landarztquote geht zudem an den Ursachen des Problems völlig vorbei.“

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