ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2014Neurochirurgie: Navigation per App

TECHNIK

Neurochirurgie: Navigation per App

Dtsch Arztebl 2014; 111(4): A-137

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Eine smartphonebasierte Technologie unterstützt Chirurgen bei der Planung und Durchführung einer bestimmten neurochirurgischen Operation – dem Anlegen eines Katheters bei Patienten, die unter einem Hydrozephalus leiden. Das neuartige Verfahren hat die Charité – Universitätsmedizin Berlin gemeinsam mit einem Potsdamer Medizinproduktehersteller entwickelt.

Bei der Erkrankung ist das Verhältnis zwischen Produktion und Abbau von Hirnwasser gestört. Dadurch kann im Kopfinnenraum ein zu hoher Druck entstehen. Behandelt wird dies durch die Implantation eines Ableitungssystems, das das überschüssige Hirnwasser in den Bauchraum des Patienten umleitet. Mehr als 23 000 solcher Operationen finden jährlich in Deutschland statt. Ein Routineeingriff für Neurochirurgen, bei dem der hirnwasseraufnehmende Katheter in der Regel freihändig im Hirnventrikel platziert wird. Dies erfolgt aber nicht immer ausreichend präzise und kann zu Revisionsoperationen führen.

„Mit der Entwicklung eines Führungsinstruments, das mit Hilfe einer iPhone-App positioniert wird, ist es jetzt möglich, eine sehr viel höhere Genauigkeit bei der Platzierung des Katheters zu erzielen“, erläuterte Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich Thomale vom Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie der Charité und Entwickler dieser neuen Methode. Der Chirurg sieht sich vor der Operation nicht mehr nur die MRT- und CT-Aufnahmen an, sondern plant mit der App den Eingriff. Im ersten Schritt wird die Aufnahme des Kopfes mit den Hirnwasserkammern in die App importiert. Danach kann der Operateur mit wenigen Fingertipps den Eintrittspunkt und die Lage der Katheterspitze festlegen. Die Software errechnet daraus den nötigen Winkel, der an dem Führungsinstrument eingestellt werden muss, so dass der Katheter zielgenau durch das Hirn zum Ventrikel geführt werden kann.

Anzeige

Die Experten erwarten, dass das Verfahren die Fehlerquote deutlich vermindern kann. Zudem ist die App kostenfrei im Appstore erhältlich. Daher bleiben die Kosten für das Führungsinstrument in einem überschaubaren Rahmen. Eine prospektive, randomisierte Multicenter-Studie läuft derzeit an zehn deutschen Kliniken, um die erfolgreiche Handhabung auf breiter Ebene zu testen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend.

Weitere Informationen: Priv.-Doz. Dr. med. Ulrich W. Thomale, Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie, Campus Virchow-Klinikum, http://kinderneurochirurgie.charite.de EB

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema