ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2014Hilfe beim Suizid: Individuelle Wertvorstellungen
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Es klingt seltsam, wenn ein Ethiker in einer seit 2 ½ Jahrtausenden kontrovers diskutierten ethischen Frage apodiktisch die Auffassung der einen Seite für falsch erklärt – hier die Kritik an dem berufsständischen Verbot ärztlicher Suizidassistenz. Seltsam zumal dann, wenn sich der Autor im weiteren Text auf demokratische Spielregeln beruft. Denn in der Demokratie werden bekanntlich – im Gegensatz zur Autokratie – auch den Minderheiten Rechte und Handlungsräume zuerkannt, soweit sie die Mehrheitsmeinung nicht majorisieren.

Wie sehr auch dieser sich neutral-sachlich gebende Kommentar von individuellen Wertvorstellungen geprägt ist, zeigt sich in der offenbar festgefügten Meinung des Autors, über den Kern ärztlichen Selbstverständnisses gäbe es eine allgemein anerkannte, unbestrittene und verbindliche Übereinkunft. Schon vor 16 Jahren definierte der amerikanische Arzt, Philosoph und Medizinethiker Howard Brody als ärztliches Behandlungsziel am Lebensende neben Beschwerdelinderung, dem Unterlassen unnötiger Manipulationen am Patienten und der Sicherung von Kommunikation ausdrücklich die Gewährung eines raschen, sicheren Todes – zweifellos ein Kernelement ärztlicher Sterbebegleitung – zu dessen Ermöglichung in besonderen Situationen auch die ärztliche Suizidassistenz gehören kann. Diese lässt sich – als ethisch begründetes Element der Sterbebegleitung – somit auch deutlich von anderen Formen gesellschaftlich unerwünschter Suizidbeihilfe abgrenzen . . .

Literatur beim Verfasser

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Prof. Dr. med. Hans Wedler, 70499 Stuttgart

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