ArchivDeutsches Ärzteblatt4/2014Berufsordnung: Guter Tag für den freien Beruf
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Es ist sicherlich Konsens, dass sich keiner von uns Medizinern am Gängelband der pharmazeutischen Industrie wünscht, dennoch führte das faktische Verbot der Teilnahme an passiv gesponserten Fortbildungen durch die Ärztekammer Niedersachsen zu erheblicher Unruhe: Mehr als 5 000 Kolleginnen und Kollegen votierten in einer Faxaktion des HB gegen diese Auslegung des Vorstandes der niedersächsischen Ärztekammer, welche in pharmagesponserten Fortbildungen die ärztliche Unabhängigkeit insgesamt gefährdet wähnte.

Diese Auslegung hat nun vor einem einfachen Berufsgericht Schiffbruch erlitten, da das Gericht nicht einmal erwogen hat, das Verfahren gegen einen sich selbst anzeigenden Hildesheimer Kollegen aufzunehmen. Dies kam nicht unerwartet, denn der Vorstand der ÄKN verstieß so nicht nur gegen den Gleichheitsgrundsatz des deutschen Grundgesetzes, sondern auch gegen geltendes EU-Recht. Ebenso verkannte die „niedersächsische Lesart“ völlig die Gefahren durch Leitlinien bestimmende Referenten: Anders als die Teilnehmer sollten die Referenten weiterhin straffrei für Vorträge entschädigt sowie Reisekosten und Spesen erhalten: Pharmaaffine Eminenzen hätten also weiterhin den Kollegen bei den Verordnungen die Hand führen können. Ich kann somit in der Weitergabe dieser niedersächsischen „Lesarten“ an den Ärztetag 2015 keinen Grund zur Freude entdecken . . .

Die juristische Richtigstellung war – nicht nur in Niedersachsen – ein guter Tag für alle freiberuflichen und freiheitlich denkenden Kolleginnen und Kollegen und ein schlechter Tag für alle moralinsauren „good doers“. Es war ebenso eine deutliche Absage an die unerträgliche Unterstellung durch die niedersächsische Ärztekammer, deutsche Ärztinnen oder Ärzte würden sich für ein warmes Essen und eine Hotelübernachtung einem Pharmaunternehmen hingeben. Es ist hohe Zeit, der von unseren Standesvertretern präferierten unerträglichen „mea culpa“-Unkultur vor Politik und Krankenkassen, dem ständigen Kotau vor der sogenannten investigativen Journaille eine deutliche Absage zu erteilen.

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Dr. Steffen Grüner, 49076 Osnabrück

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