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Eine Reihe verschiedener Faktoren beeinflusst, wie Patienten das Risiko einschätzen, das mit einer möglichen Behandlung verbunden ist. Zunächst wird dieses Risiko im Gespräch mit dem Arzt erörtert. Wie Dr. Meyer anmerkt, kann die Kommunikation mit dem Patienten nur dann zielführend sein, wenn der Behandler selbst in der Lage ist, das Risiko richtig einzuschätzen. Intensiv trainiert werden müsste Risikokommunikation schon während der ärztlichen Ausbildung. Insbesondere ist die Zeit für das Gespräch zwischen Arzt und Patient von Bedeutung, da Risikokommunikation thematisch schwierig und zeitaufwendig ist.

Darüber hinaus besteht aber ein grundsätzliches Problem bei der Verwendung von umgangssprachlichen Wahrscheinlichkeitsbegriffen darin, dass diese je nach Kontext unterschiedlich verwendet werden. So wird die Beschreibung, dass Todesfälle infolge einer Erkrankung „selten“ auftreten, umgangssprachlich anders eingeschätzt, als die Angabe, dass Kopfschmerzen als Nebenwirkung bei der Einnahme eines Medikaments „selten“ seien. Diese Kontextabhängigkeit lässt sich nur schwierig umgehen.

In unserer Arbeit haben wir uns dabei bewusst darauf beschränkt zu untersuchen, ob Personen, die regelmäßig mit der Risikokommunikation betraut sind, den Begriffen, die auf dem Beipackzettel verwendet werden, die richtigen Wahrscheinlichkeiten zuordnen. Dr. Niederhofer fragt sich in diesem Zusammenhang, „wenn schon zwischen den Angaben auf dem Beipackzettel und deren Interpretation von Fachleuten erhebliche Unterschiede zu beobachten sind, wie diese Ergebnisse wohl ausgesehen hätten, wenn auch Patienten befragt worden wären.“ Dieser Aspekt ist in der Literatur umfassend untersucht worden. So hat sich bereits in mehreren Studien gezeigt, dass die verbalen Umschreibungen nicht korrekt bewertet werden. Außerdem wird das Risiko von Personen der Allgemeinbevölkerung überschätzt; neben der Zusammenstellung der Literatur, die wir in unserer Arbeit gegeben haben (1) (Referenzen 11–17), heben wir hier stellvertretend die Publikation von Fischer und Jungermann (2) heraus, die sich explizit auf deutsche Personen der Allgemeinbevölkerung bezieht.

In unserer Arbeit haben wir uns ausschließlich mit dem Problem der Risikoeinschätzung in einem einfachen medizinischen Kontext beschäftigt. Selbstverständlich gibt es eine Reihe gesetzlicher und weiterer Anforderungen an Beipackzettel. Und natürlich ist es nahezu unmöglich, Beipackzettel übersichtlich, kurz und verständlich zu gestalten, wenn sämtliche Merkmale des Arzneimittels darzustellen sind (3).

Wir können die Forderung des Lesers Dr. Niederhofer nur unterstützen, dass intensive Anstrengungen unternommen werden sollten, um Beipackzettel für Patienten präzise und dennoch verständlich und übersichtlich zu gestalten. Sollte die Verwendung neuer Medien hierfür als Unterstützungsmittel zum Beipackzettel gestattet werden, sollte dieses möglich sein.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0068

Prof. Dr. rer. nat. habil. Andreas Ziegler

Prof. Dr. hum.-biol. habil. Inke R. König

Institut für Medizinische Biometrie und Statistik, Universität zu Lübeck,
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

ziegler@imbs.uni-luebeck.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Ziegler A, Hadlak A, Mehlbeer S, König IR: Comprehension of the description of side effects in drug information leaflets—a survey of doctors, pharmacists and lawyers: Dtsch Arztebl Int 2013; 110(40): 669–73 VOLLTEXT
2.
Fischer K, Jungermann H: Rarely occurring headaches and rarely occurring blindness: Is rarely=rarely? The meaning of verbal frequentistic labels in specific medical contexts. J Behav Dec Mak 1996; 9: 153–72 CrossRef
3.
Beime B, Menges K: Does the requirement of readability testing improve package leaflets? Evaluation of the 100 most frequently prescribed drugs in Germany marketed before 2005 and first time in 2007 or after. Pharmaceut Reg Affairs 2012; 1: 102.
1.Ziegler A, Hadlak A, Mehlbeer S, König IR: Comprehension of the description of side effects in drug information leaflets—a survey of doctors, pharmacists and lawyers: Dtsch Arztebl Int 2013; 110(40): 669–73 VOLLTEXT
2.Fischer K, Jungermann H: Rarely occurring headaches and rarely occurring blindness: Is rarely=rarely? The meaning of verbal frequentistic labels in specific medical contexts. J Behav Dec Mak 1996; 9: 153–72 CrossRef
3.Beime B, Menges K: Does the requirement of readability testing improve package leaflets? Evaluation of the 100 most frequently prescribed drugs in Germany marketed before 2005 and first time in 2007 or after. Pharmaceut Reg Affairs 2012; 1: 102.

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