ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2014Arzneimitteltests: Vergangenheitsbewältigung in Ost und West
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Dr. Rainer Erices kommt zu dem Schluss, dass bei der 1987 bis 1988 an der Universität Jena laufenden Phase-III-Studie mit Levoprotilin „Belege für medizinethische Vergehen oder gar einkalkulierte Schädigungen von Patienten nicht gefunden werden konnten“. Ja, was glaubte der Medizinethiker aus Erlangen-Nürnberg eigentlich zu entdecken?

Auch über andere Textbausteine kann man sich nur wundern. So schrieb er: „Das Medikament war auf dem bundesdeutschen Markt nicht zugelassen.“ Das war eigentlich nicht erwähnenswert, weil in Phase-III-Studien immer Arzneimittel geprüft werden, die noch nicht zugelassen sind.

Auch der Hinweis, dass der damalige Klinikleiter in Jena in den 1980er Jahren über 300 000 DM „Devisen erwirtschaftet“ hat, ist eher kurios. Heute bezeichnet man das als „Einwerben von Drittmitteln“, deren Höhe eine wesentliche Voraussetzung für Berufungen in leitende Positionen ist.

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Ganz merkwürdig wird es, wenn Dr. Erices es als „nicht nachvollziehbar“ ansieht, dass Novartis, Rechtsnachfolger von Ciba-Geigy, „sein Archiv für die Untersuchung der Jenaer Levoprotilin-Studie nicht geöffnet hat“. Warum sollte sich Novartis nach nur 25 Jahren schon äußern? Wir wissen doch alle, dass in den „alten“ Bundesländern die Vergangenheitsbewältigung erst nach etwa 50 Jahren einsetzte. Im Übrigen wäre es wissenschaftlich redlich, wenn Herr Dr. Erices eine Levoprotilin-Studie aufarbeiten würde, die in den 1980er Jahren an einer westdeutschen Nervenklinik gelaufen ist – alles andere diskriminiert nur.

Prof. Dr. med. Frank Meyer, Klinischer Pharmakologe,
Mitglied von Ethik-Kommissionen in Sachsen-Anhalt,
39164 Wanzleben-Börde

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