ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2014Schach: Eines Lebens Wanderwege

SCHLUSSPUNKT

Schach: Eines Lebens Wanderwege

Dtsch Arztebl 2014; 111(5): [68]

Pfleger, Helmut

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Saye-je shoma cam mashavad“, so begrüßt Dr. med. Gunnar Riemer beim Ärzteschachturnier die persischen Kollegen. Auf Deutsch „Möge Ihr Schatten nicht kleiner werden“, auf Bayrisch „Grüß Gott“. Persische Laute zu vernehmen, ist angesichts einiger Nachkommen von Hafis und Firdausi dort nicht ungewöhnlich, eher schon, dass sie aus dem Munde eines „norwegischen“ Deutschen mit Wiener Akzent kommen. Der dann voller Stolz ein Schachspiel aus Legosteinen auspackt und zu einer Partie einlädt, um nachher die rot-weißen Figuren im Schachbrett, das mittlerweile zu einem Schachturm umgeformt wurde, feinsäuberlich verschwinden zu lassen. Alles muss seine Ordnung haben, vor allem in der Legowelt.

Des Lebens Wege sind oft seltsam. Es fängt damit an, dass Dr. Riemers Vater von 1972–1977 Lehrer an der Deutschen Schule in Teheran war. Der 1962 geborene Gunnar spielte gern mit den Legosteinen, baute aber damals – noch ganz „normal“ – damit Häuser und Autos, und keine Schachspiele. Sehr wohl spielte er aber in der Schach-AG der Schule mit, die sehr aktiv war und gegen die „Teheran American School“ (so etwas gab es damals noch!) und das Lycée français mit Erfolg antrat. Der Höhepunkt war das alljährliche Simultanspiel gegen den Schachmeister Prinz Bahram (spaßeshalber „Schachram“ genannt), einen Neffen des Schahs Reza Pahlevi. Etymologisch mit dem Schach- beziehungsweise Königsspiel verwandt beziehungsweise sogar identisch, führte dies konsequenterweise danach unter Khomeini zum Verbot des Schachspiels.

Anzeige

Zurück zu den Legosteinen. Sie wurden vom Iran nach Deutschland mit zurückgenommen, um dort im Keller in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf zu fallen. Bis sie Sohn Tassilo (13), inspiriert durch das Ärzteschachturnier, wieder wachküsste und zu neuem (Schach-)Leben erweckte.

Tja, und Dr. Riemer als Neurologe arbeitete lange in Norwegen in einem Kompetenzzentrum für seltene Erkrankungen, bevor es ihn nach Deutschland in die Berliner Charité zurückzog.

Leider hat Dr. Riemer keine Notation seiner Partien; so soll in Absprache mit ihm, und Persien zu Ehren, in dem das Schachspiel schon vor ungefähr 1 500 Jahren in früher Blüte war, eine wunderschöne Kombination meines leider schon verstorbenen Freundes Dr. med. Modjtaba Abtahi, der mit seinem ansteckenden Lachen und seiner Schachleidenschaft viele Ärzteturniere mitprägte, „einspringen“.

Sehen Sie, wie Dr. Abtahi als Chef der Unfallchirurgie des Prosper-Hospitals in Recklinghausen in einer Behandlungspause seinen Patienten Karl-Heinz Podzielny, einen der stärksten deutschen Blitzschachspieler, mit einem herrlichen, „opfergetränkten“, dreizügigen Matt als Weißer am Zug besiegte?

Lösung:

Auftakt war das Turmopfer 1. Txe6+! Nach 1. . . . fxe6
schlug mit 2. Txc8+! das zweite Turmgeschoss ein, und
nach 2. . . . Txc8 3.Dxd7 matt war’s auch schon vorbei.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema