ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2014Honorarbericht 2012: Vergleiche sind nur schwer möglich

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Honorarbericht 2012: Vergleiche sind nur schwer möglich

Dtsch Arztebl 2014; 111(5): A-153 / B-133 / C-129

Rieser, Sabine

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Der gesamte Honorarbericht im Netz: www.kbv.de/41532.html
Der gesamte Honorarbericht im Netz: www.kbv.de/41532.html

Der jüngste Honorarbericht zeigt: Schon Umsatzvergleiche zwischen Fachgruppen oder Regionen sind anhand der veröffentlichten Daten nur schwer herzustellen.

Die Selbstverwaltung ist gefordert, Leistungsgerechtigkeit und Gleichbehandlung für die Vertragsärztinnen und Vertragsärzte in den Regionen und im überregionalen Vergleich zu gewährleisten. Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz stellt hierfür den Vertragsparteien ausreichende und angemessene Instrumente zur Verfügung.“ Mit diesem Hinweis reagierte die schwarz-gelbe Bundesregierung im November 2011 auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen zum Thema „Zukunft der vertragsärztlichen Vergütungen“. Das folgende Gesetz sah unter anderem vergleichende Honorarberichte in jedem Quartal vor (Kasten). Doch trotz der umfangreichen Daten ist es schwer, Unterschiede zwischen Fachgruppen oder Regionen schlüssig zu bewerten.

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Honorare aus Selektiv- verträgen einbeziehen

Im Vergleich mit dem Jahr 2011 ist der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt/ Psychotherapeut im Jahr 2012 aus der Versorgung von gesetzlich Krankenversicherten rein rechnerisch um 0,6 Prozent gesunken auf etwa 201 000 Euro. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) weist aber darauf hin, dass „die regionalen Veränderungsraten der KVen in Bayern und Baden-Württemberg gesondert zu betrachten sind“. Denn in Bayern ist der Honorarumsatz zwar um 2,9 Prozent gefallen, in Baden-Württemberg um 2,6 Prozent. Doch in beiden Bundesländern fließen Honorare aus Selektivverträgen, in erster Linie solchen zur hausarztzentrierten Versorgung, die man einbeziehen muss.

Rechnet man die Veränderung der Honorarumsätze in Bayern und Baden-Württemberg heraus, ist der Honorarumsatz je Arzt/Psychotherapeut bundesweit nicht gesunken, sondern um 0,2 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Umsatz etlicher Arztpraxen liegt höher, schon weil die Einnahmen der Ärztlichen und Psychologischen Psychotherapeuten erheblich niedriger sind. Sie betrugen 2012 im Durchschnitt 73 000 Euro.

„Im hausärztlichen Versorgungsbereich zeigt sich ein uneinheitliches Bild“, heißt es im Honorarbericht weiter. In einigen KVen seien deutliche Honorarumsatzsteigerungen zu verzeichnen, so bei den Hausärzten in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hamburg. In Nordrhein und Berlin sind deren Einnahmen hingegen rückläufig. Rechnet man die Umsätze in Bayern und Baden-Württemberg heraus, ergibt sich für 2012 ein durchschnittlicher bundesweiter Zuwachs von 1,1 Prozent. Die Spanne reicht von 164 000 Euro in Hamburg bis zu 231 000 Euro in Thüringen.

Gleiches Honorar, aber viel mehr Patienten

Mit wie vielen Patienten und welchen Leistungen der Umsatz erzielt wurde, geht aus dem Bericht nicht hervor. Interessant ist aber, dass der Honorarumsatz je Behandlungsfall in Hamburg mit 53,35 Euro fast identisch mit dem in Thüringen war (53,81 Euro). Die Hausärzte dort (und in einigen anderen Ländern) erwirtschafteten ihren höheren Umsatz also offenbar mit erheblich mehr Patienten.

Auch im fachärztlichen Versorgungsbereich differieren die regionalen Umsatzentwicklungen dem Honorarbericht zufolge. Sie lagen zwischen –3,4 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern) und +2 Prozent (Niedersachsen). Die KBV weist darauf hin, dass Umsatzvergleiche über verschiedene Jahre nicht einfach zu erstellen sind. So würden beispielsweise in fast allen Regionen besondere Verträge zur Vergütung augenärztlicher Operationsleistungen geschlossen, teils mit, teils ohne Beteiligung der KV. „Im letzteren Fall liegen der KBV keine Daten zum Honorarumsatz vor“, heißt es im Bericht.

Sabine Rieser

@Der gesamte Honorarbericht im Netz: www.kbv.de/41532.html

ZIEL: TRANSPARENZ

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) muss für jedes Quartal zeitnah über „Ergebnisse der Honorarverteilung, über die Gesamtvergütungen, über die Bereinigungssummen und über das Honorar je Arzt und je Arztgruppe“ informieren. Das schreibt Paragraf 87 c Sozialgesetzbuch V seit Ende 2011 vor. „Zusätzlich ist über Arztzahlen, Fallzahlen und Leistungsmengen zu informieren, um mögliche regionale Honorarunterschiede zu erklären.“

Im Juli 2012 legte die KBV ihren ersten Honorarbericht auf dieser Gesetzesbasis vor, in dem die Entwicklung des ersten Halbjahrs 2011 mit der des Vorjahreszeitraums verglichen wurde. Es folgten Quartals- und Jahresberichte.

Leserkommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 4. März 2014, 22:48

Die "Heisenberg'sche" Unbestimmtheitsrelation der KBV?

Es gibt eine charakteristische U n b e s t i m m b a r k e i t von zu erwartenden Praxisüberschüssen in Abhängigkeit von betriebswirtschaftlichen Analysen (BWA) und daraus sich ergebenden individuellen Arzteinkünften vor/nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Fakten für 2012 belegt der Honorarbericht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), sonst quartalsweise vorgelegt, aber hier erstmals die Gesamtentwicklung für das Jahr 2012 wiedergebend. Im Durchschnitt eine Stagnation bzw ein kleines Minus. Die Wirtschaftsweisen der Bundesregierung würden mit diesem mageren Ergebnis einen volkswirtschaftlichen Großalarm auslösen und eine ökonomische "TSUNAMI"-Warnung aussprechen.

Ich persönlich warte derzeit nur darauf, dass der GKV-Spitzenverband Bund (SpiBu) der GKV-Kassen, die Medien, Politik und Öffentlichkeit wieder Praxis-Umsatz mit Gewinn und Arzteinkommen verwechseln. Und, wenn das Alles nicht zieht, auf die angeblich hohen Privateinkünfte verweisen, die jedoch für verschieden Praxisstandorte extrem variabel und zugleich volatil sind bzw. den budgetierten und pauschalierten GKV-Bereich mitfinanzieren.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #42109
Bambach
am Montag, 10. Februar 2014, 09:54

Immer weiter die falsche Vergleichsgröße Honorar-Umsatz

Ich verstehe es nicht, warum immer wieder von dem Vergleich der Umsätze die Rede ist, was letztlich zu einer Nichtvergleichbarkeit der unterschiedlichen Einkommen von sprechender Medizin und Apparatemedizin führt. Eine Honorargerechtigkeit lässt sich doch nur über einen Vergleich des zu versteuernden Gewinnes beurteilen und das im Verhältnis zu den geleisteten Arbeitsstunden pro Woche. Wir haben alle eine lange universitäre Ausbildung und eine Weiterbildung zum Facharzt oder Psychotherapeuten, mit dieser Ausbildung arbeiten wir eine bestimmte Zeit in der Woche und es bleibt dafür ein bestimmter Gewinn übrig, von dem wir unser Leben bestreiten. Der Vergleich von Honorarumsätzen hilft überhaupt nicht.

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