ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2014Das Goldene Zeitalter der Niederlande: Auf den Spuren der Maler

KULTUR

Das Goldene Zeitalter der Niederlande: Auf den Spuren der Maler

Dtsch Arztebl 2014; 111(5): A-182 / B-160 / C-154

Traub, Ulrich

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Frans Hals, Jan Vermeer und Hieronymus Bosch schufen mit ihren Werken Porträts ihrer Zeit. Eine Reise von Haarlem über Delft nach Den Bosch

„Viel hat sich hier nicht verändert“: Im 17. Jahrhundert galt Haarlem als eine der reichsten Städte der Welt. Foto: Uli Traub
„Viel hat sich hier nicht verändert“: Im 17. Jahrhundert galt Haarlem als eine der reichsten Städte der Welt. Foto: Uli Traub

Einen engen Zusammenhang zwischen Reichtum und Kunst gibt es nicht erst seit heute. Das niederländische Haarlem erlebte seinen Boom im sogenannten Goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts. Die Stadt galt als eine der reichsten der Welt, und wie an vielen anderen Orten der Niederlande erlebten auch hier die Künste eine Blütezeit.

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Damals führte der Wohlstand, der sich der Leinenweberei und dem Export von Bier verdankte, dazu, dass die reichen Haarlemer Maler engagierten, um sich porträtieren zu lassen – gerne auch in Gruppen. Die Bilder von zechenden Schützengilden des aus Flandern vor den Spaniern geflohenen Frans Hals bieten tiefe Einblicke in die Welt der Kaufleute. Zu sehen sind diese und andere Werke im Frans-Hals-Museum, das in den Gebäuden eines Wohnhauses für bedürftige Männer aus dem 17. Jahrhundert untergebracht ist. Ironie des Schicksals: Es heißt, dass auch der Maler, der Zeit seines Lebens unter Geldmangel litt, hier seinen Lebensabend verbracht haben soll.

Haarlem mit seinen stolzen Bürgerhäusern lässt noch immer das Goldene Zeitalter erahnen. Wie ein wuchtiger gotischer Koloss steht die Grote Kerk, St. Bavo, in der vom Flüsschen Spaarne umflossenen Altstadt. Den Grote Markt rund um die Kirche haben die Maler festgehalten. Wer die Bilder im Frans-Hals-Museum mit der Gegenwart vergleicht, stellt fest: Viel hat sich hier nicht verändert.

Die wohlhabendsten Bürger der Stadt fanden in St. Bavo ihre letzte Ruhestätte. Dass sie als „reiche Stinker“ bezeichnet wurden, lag daran, dass es aus ihren frischen Gräbern häufig etwas strenger roch. Auch Frans Hals liegt hier begraben – ein vermögender Verwandter machte es möglich. Die „reichen Stinker“ sind jedoch nicht nur durch ihre genussbetonten Porträts unsterblich geworden. Zeichen ihrer wirtschaftlichen Macht sind die Hofjes: versteckte, von kleinen Häusern eingefasste Innenhöfe, in denen Bedürftige ein Zuhause fanden.

Auf die Werke eines Zeitgenossen von Frans Hals trifft man in Delft. Anders als der Haarlemer Maler ist Jan Vermeer in seiner Geburtsstadt nicht durch Originale vertreten. Die 37 ihm zugeschriebenen Bilder sind als Reproduktionen zu sehen. In einem nachgebildeten Atelier kann man sich in die Arbeitsweise des Künstlers vertiefen und in einer seiner Bildkulissen Platz nehmen. „Ansicht von Delft“ heißt eines seiner bekanntesten Werke. Ein Rundgang folgt Vermeers Spuren und führt zu der Stelle, von der aus der Maler sein Motiv in den Blick genommen hat: ein historisches Stadttor, der Turm der Neuen Kirche und die historische Dächerlandschaft.

Die Zeit des Befreiungskrieges gegen die Spanier wird in ’s-Hertogenbosch wachgerufen. Die Zitadelle, von der aus Den Bosch verteidigt wurde, dominiert das Stadtbild. Auf dem ausladenden Marktplatz, vor dem Haus, in dem er lebte und arbeitete, steht die Statue von Hieronymus Bosch, der mit kritischem Blick seine Stadt betrachtet. In seinen fantastischen Bildern porträtierte der Maler eine Welt von Ungeheuern, die jedem Fantasy-streifen zur Ehre gereichen würden. Im Hieronymus-Bosch-Art-Center, das sich in einer ehemaligen Kirche befindet, betritt man die Welt des Künstlers wie ein Filmset. Nachbauten seiner Monster und Fabeltiere – fliegende Saurier, auf denen Harfe gespielt wird, oder Bucklige mit Langnasen und -ohren – baumeln von der Decke oder erwarten den überraschten Besucher auf der Orgelempore.

Mittelpunkt Den Boschs ist die wohl schönste gotische Kirche der Niederlande. Berühmt sind die seltsamen Menschen- und Tiergestalten, die die Strebepfeiler der St.-Jan-Kathedrale schmücken. Wer weiß, vielleicht haben sie sogar den Maler inspiriert.

Uli Traub

@Informationen unter www.haarlem.nl; www.delft.com; www.vvvdenbosch.nl

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