ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2014Weiterarbeiten mit 67: Flexible Ansätze sind gefragt

WIRTSCHAFT

Weiterarbeiten mit 67: Flexible Ansätze sind gefragt

Dtsch Arztebl 2014; 111(5): A-184 / B-161 / C-156

Spielberg, Petra

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Auch in den Gesundheitsbranchen scheiden viele ältere Arbeitnehmer zu früh aus dem Berufsleben aus und nehmen ihr Fachwissen mit in den Ruhestand. Mit spezifischen Maßnahmen lässt sich dem Trend begegnen.

Wie beschäftigungsfähig sind ältere Erwerbspersonen? Diese Frage stellt sich angesichts des Fachkräftemangels und der zunehmenden Überalterung der Bevölkerungen inzwischen in zahlreichen Branchen, einschließlich der Medizin und Pflege.

Ältere Erwerbspersonen sind jedenfalls aus Sicht von Professor Dr. Franz Egle, Präsident der Hochschule der Wirtschaft für Management in Mannheim, nicht zwangsläufig weniger leistungsfähig als jüngere. Vielmehr seien die Leistungsunterschiede innerhalb einer Altersgruppe weitaus größer als diejenigen zwischen den Altersgruppen, so der Volkswirt auf einer Diskussionsveranstaltung der Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main e.V. in Frankfurt/Main, bei der es um die Frage ging, wie sich Unternehmen das Fachwissen sowie die Fähigkeiten älterer Arbeitnehmer sichern können, wenn diese offiziell das Ruhestandsalter erreicht haben. Denn Fakt ist, dass sich aufgrund des (frühzeitigen) Ausscheidens älterer Erwerbspersonen das Arbeitskräftepotenzial stetig verringert – bis 2025 bundesweit um voraussichtlich 6,5 Millionen Menschen.

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Dem Trend entgegenwirken

Um dem Trend entgegenzuwirken, muss nach Egles Überzeugung die Beschäftigungsfähigkeit allgemein – unabhängig vom Alter – gesteigert werden. Für die Erwerbsfähigkeit entscheidend seien in erster Linie Faktoren wie Gesundheit, Kompetenzen, Wissen, Fertigkeiten, Motivation und Einstellung als auch arbeitsplatzspezifische Anforderungen. Darüber hinaus ließe sich mit altersspezifischen Instrumenten der Personalpolitik die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiter gezielt fördern. Hierzu zählten Altersteilzeitmodelle, altersgemischte Teams, besondere, an die Bedürfnisse Älterer angepasste Arbeitsplätze, spezielle Weiterbildungsmaßnahmen und gesundheitsfördernde Angebote. Egle: „Für Ältere muss das Arbeiten Spaß machen. Sie müssen entsprechend ihrer Talente und Fähigkeiten eingesetzt werden.“

Auch Dr. Emmanuel Siregar, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Sanofi Deutschland GmbH, kritisierte, dass sich die betriebliche Talentförderung bislang zu sehr auf jüngere Arbeitnehmer konzentriere. Es sei zudem wichtig, das Thema Förderung und Wiedereinbeziehung des Know-hows älterer Mitarbeiter gemeinsam mit der gesamten Belegschaft eines Unternehmens anzugehen.

Egle wiederum kritisierte, dass die altersspezifischen Instrumente zur Personalpolitik in vielen Betrieben bislang nicht ausreichten, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer zu stabilisieren beziehungsweise zu steigern. Insbesondere Aktivitäten zur Förderung des Gesundheitsschutzes fänden in den meisten Unternehmen noch viel zu wenig statt. Der Volkswirt stützt sich dabei auf Ergebnisse einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit zur altersspezifischen Personalpolitik in Betrieben aus unterschiedlichen Branchen (IAB-Kurzbericht 13/2013).

Klar ist für Egle aber auch: Weiterarbeiten mit 67 wird notwendig, ist aber allein bei weitem nicht hinreichend, um das Arbeitskräftepotenzial auf das erforderliche Maß zu erhöhen.

Andere Fördermaßnahmen

Hans-Jörg Gittler, Vorstandsvorsitzender der Bahn-BKK, unterstrich ebenfalls die Bedeutung gesundheitsfördernder Maßnahmen zur Stärkung des Arbeitskräftepotenzials. So sei die Nachfrage nach Präventions- und betrieblichen gesundheitsfördernden Angeboten seitens der aktiv Beschäftigten bei der Bahn-BKK in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Entsprechende Angebote machten inzwischen 25 Prozent des Umsatzes aus. Zu berücksichtigen sei dabei, dass ältere Arbeitnehmer andere Fördermaßnahmen brauchten als jüngere. Denn während die Arbeitsverdichtung bei den 40- bis 55-Jährigen zunehmend zu psychosomatischen Störungen führe, seien die Älteren hiervon deutlich weniger betroffen. Sie litten vorrangig unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen klassischen „Alterskrankheiten“. Ältere Mitarbeiter seien zudem häufiger im Umgang mit neuen Technologien überfordert.

Volker Weber, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie Hessen/Thüringen, regte überdies an, beim Abschluss von Arbeitsverträgen darauf zu achten, dass das Arbeitsverhältnis nicht automatisch mit 65 enden muss, wie dies derzeit noch üblich sei.

Axel Wintermeyer, Chef der Staatskanzlei und Demografiebeauftragter der Hessischen Landesregierung, forderte ferner, dass sich der Nebenerwerb zur Rente wieder mehr lohnen müsse, um Anreize für Ruheständler zu schaffen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Petra Spielberg

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