ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2014Börsebius: Im falschen Film

GELDANLAGE

Börsebius: Im falschen Film

Dtsch Arztebl 2014; 111(5): A-186 / B-162 / C-158

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Die Zeit zwischen 1998 und 2005 war die große Zeit für die Anbieter geschlossener Filmfonds. Etwa zwölf Milliarden Euro investierten Deutschlands Gutverdiener in diese Produkte. Marktführer in dem Geschäft war mit einem Volumen von fast zwei Milliarden Euro die Hannover Leasing (HL), eine Tochtergesellschaft der Helaba und der hessisch-thüringischen Sparkassen.

Wie es zu diesem Boom kam, ist eines der großen Makel und Mirakel deutscher Förderungspolitik. Der deutsche Film möge wieder genesen, so der erklärte Wille der Politik, und daher wurden den Financiers von Filmfonds üppige Steuervorteile gewährt. Der Fiskus bewilligte den Gesellschaftern von Filmfonds Verlustzuweisungen von 100 Prozent auf das Eigenkapital. Doch bei den HL-Fonds wurde die Kommanditeinlage fremdfinanziert, und plötzlich erhielten die Anleger Verlustzuweisungen von 200 Prozent und mehr auf die sogenannte Bareinlage. Damit wurde gut verdienenden Kommanditisten mit einem Steuersatz von 50 Prozent die komplette Einlage gutgeschrieben. Verrückt, aber legal – und der Gesetzgeber wollte es ja so haben.

Irgendwann dämmerte dem Staat aber doch, dass an der Sache etwas faul war. Einerseits entgingen dem Fiskus Milliarden, andererseits wurde mitnichten die deutsche Filmwirtschaft alimentiert. Denn der Großteil der Gelder floss außer Landes, genauer nach Hollywood.

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Das lässt sich doch leicht wieder geradebiegen, dachten sich einige Schlaumeier beim Fiskus, und etliche Finanzämter zogen daher die Steuerbescheide wieder zurück und erkannten die Steuervorteile ab. So geht’s dann aber doch nicht, meinte jüngst das Finanzgericht München (Az.: 1 K 2603/11), die Steuervorteile hätten auch weiterhin Bestand. Das von der Hannover Leasing erstrittene Urteil hat vermutlich auch für die HL-Wettbewerber KGAL und LHI und deren Filmfondsanleger positive Auswirkungen. Das Finanzamt im falschen Film – auch eine Form von Spaß, auf den die Anleger lange warten mussten. Wer zuletzt lacht, lacht halt doch am besten.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 1. Februar 2014 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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