ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2014Patientenorientierung: Danke!
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Genau so ist es, danke! Prof. Kühlein greift endlich die Problematik auf, die unser Gesundheitssystem in den Abgrund reißt. Wir sind Ärzte geworden, um Lebenszeit zu verlängern, Leid zu lindern und Erkrankungen vorzubeugen, nicht um 150 verschiedene Diagnosen beim Diabetes mellitus zu verschlüsseln.

Dabei können wir so viel. Wir machen Blinde sehend (intraokulare Linsen beim Katarakt), Lahme gehend (Hüft-TEP) und Gequälte schmerzfrei (moderne Morphintherapie). Mit Sonographie, Endoskopie, CT und MRT schauen wir in das Innere unserer Patienten. So viele Wunschträume der Medizin sind in Erfüllung gegangen. Da dürfen wir staunen, ein Wunder nach dem anderen.

Leider werden wir Ärzte . . . nach Anzahl und Schwere der gestellten Diagnosen bezahlt. Die Folge ist, dass Patienten mit immer mehr und gravierenderen Diagnosen „abgestempelt“ werden. Im Internet schreibt mir das Krankenhaus: „Eine Patientenbewegung mit 16 Diagnosen“. Und das betrifft den „Durchschnittspatienten“, nicht den außergewöhnlich Schwerstkranken. Immer öfter werden Patienten zu Untersuchungen in Kliniken und Praxen nachbestellt. Dadurch fehlt die Zeit für wirklich Kranke, für geduldiges Zuhören und klärende oder suggestiv heilende Gespräche. Neben der Hilfe zur Gesundung muss es Ziel unseres ärztlichen Handelns sein, uns möglichst rasch beim Patienten entbehrlich zu machen. Medizin ist nicht Lebenssinn, sie ist eine Krücke, eine Hilfe. Lebensinhalt müssen Patienten außerhalb des Gesundheitssystems finden.

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Fortschritt lebt von Visionen. Stellen Sie sich Folgendes vor: Jeder Bürger schreibt sich bei einem Arzt der Grundbetreuung ein. Dieser Arzt erhält eine Kopfpauschale. Sobald sich der Bürger krank fühlt und seinen Arzt als Patient aufsucht, endet die Bezahlung dieser Kopfpauschale. Der Arzt erhält sie erst wieder, wenn der Patient sich gut fühlt und den Arzt nicht mehr benötigt. Die Motivation des Arztes liegt in der schnellen Wiederherstellung von Beschwerdefreiheit. Dazu braucht er gegebenenfalls die Hilfe der Spezialisten und Kliniken. Der Arzt wird also nicht mehr für Diagnosen und Krankheiten bezahlt, sondern für Wohlbefinden und Gesundheit! . . .

Dr. Christian Vogler, 99444 Blankenhain

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