Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS DÄ: Die neue Bundesregierung hält an den kollektiven Arzneimittelbudgets fest. Machen da Richtgrößen überhaupt noch Sinn?
Brech: Die Arzneimittel-Richtgrößen hatten nach dem 2. NOG eine Doppelfunktion. Sie sollten das Budget ablösen und so das Morbiditätsrisiko an die Krankenkassen zurückgeben; zugleich sollte durch sie die Arzneimitteltherapie qualitativ gesteuert werden. Beides entfällt nach der neuen Gesetzgebung: Die Richtgrößen werden zum puren Instrument der zusätzlichen Wirtschaftlichkeitsprüfung und Individualhaftung. Das hat einen immensen Verwaltungsaufwand für die Ärzteschaft zur Folge. Andererseits bewirkt es, daß sich alle an den Programmen einer sparsamen Arzneimittelverordnung beteiligen müssen. Der einzelne kann sich nicht mit Verordnungen umstrittener Indikationen hinter anderen verstekken.
DÄ: Den Kassenärzten droht in diesem Jahr eine Kollektiv- und Individualhaftung. Wie stellen sich KBV und KVen darauf ein?
Brech: Es ist zu überprüfen, ob eine gleichzeitige Kollektiv- und Individualhaftung überhaupt verfassungsrechtlich zulässig ist. Die Budgetierung von Arznei- und Heilmitteln stürzt den Arzt bei seinen Therapieentscheidungen in einen Zwiespalt zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis, ärztlicher Ethik und ökonomischer Entscheidung zur Rationierung. KBV und KVen werden den Ärzten durch ArzneimittelRichtlinien, Therapieempfehlungen und Therapiebewertungen Hilfestellungen geben.
DÄ: Die Koalition plant eine Positivliste. Könnten dann die Budgets fallen?
Brech: Wenn der Bevölkerung weiterhin eine den medizinischen Erkenntnissen entsprechende Arzneimittelversorgung zuteil kommen soll, müssen die Budgets fallen, gleichgültig ob eine Positivliste verabschiedet wird oder nicht. Angesichts der angespannten ökonomischen Lage und der Unübersichtlichkeit des Arzneimittelmarkts ist eine Positivliste dringend erforderlich, um die Verordnungstriage vom Ordinationszimmer des Arztes zum Gesetzgeber zu verlagern.
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote