ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2014Fortbildung für Praxismitarbeiterinnen: Gegenseitige Anerkennung

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Fortbildung für Praxismitarbeiterinnen: Gegenseitige Anerkennung

Dtsch Arztebl 2014; 111(6): A-196 / B-170 / C-166

Rieser, Sabine

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Eine stärkere Arztentlastung durch Praxisfachkräfte halten viele für zukunftsweisend. Die gegenseitige Anerkennung und Fortentwicklung von Qualifikationen sind dabei hilfreich. Foto: picture alliance
Eine stärkere Arztentlastung durch Praxisfachkräfte halten viele für zukunftsweisend. Die gegenseitige Anerkennung und Fortentwicklung von Qualifikationen sind dabei hilfreich. Foto: picture alliance

Die verschiedenen Qualifikationen speziell fortgebildeter Praxisangestellter sollen leichter gegenseitig anerkannt werden. Darauf haben sich Bundes­ärzte­kammer und Hausärzteverband geeinigt.

EVA, „AGnES zwei“, VERAH – schon die Abkürzungen für speziell qualifizierte Praxisangestellte können viele kaum aufdröseln. Nur wenige wissen zudem noch, wer sich wie fortgebildet hat und wodurch sich die einzelnen Qualifikationen unterscheiden. Dabei laufe es doch stets auf dasselbe hinaus, nämlich Arztentlastung, wandte eine Ärztin Ende Oktober bei einer Fachtagung zu diesem Thema ein (DÄ, Heft 45/2013).

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Vorteil für die Versorgung

Für Verbesserung kann in Zukunft eine Abstimmung zwischen der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und dem Institut für hausärztliche Fortbildung (IhF) sorgen. Die beiden Organisationen haben Unstimmigkeiten über die gegenseitige Anerkennung von Fortbildungsqualifikationen Medizinischer Fachangestellter (MFA) ausgeräumt und pragmatische Lösungen gefunden. Darauf hat der Deutsche Hausärzteverband (HÄV) hingewiesen. Grundsätzlich wurde vereinbart, dass es beim Umgang mit den verschiedenen Qualifikationen nicht so sehr auf Gleichartigkeit in allen Punkten ankomme, sondern die Gleichwertigkeit bei der Umsetzung von Versorgungszielen im Vordergrund stehen solle.

Der HÄV und sein Fortbildungsinstitut hatten 2008 ein Curriculum für Medizinische Fachangestellte entwickelt, in dessen Mittelpunkt die Versorgungserfordernisse in der hausärztlichen Praxis stehen. Wer sich erfolgreich fortgebildet hat, darf die Bezeichnung „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“ führen, abgekürzt VERAH. Mittlerweile gibt es bundesweit mehr als 4 500 VERAH. „Sie unterstützen Patienten und deren Angehörige bei der Anwendung präventiver und rehabilitativer Maßnahmen, bei der Erstellung von Hilfsplänen und bei Schulungsmaßnahmen“, schreibt der HÄV. „Auch für Hausbesuche, bei der Koordinierung zwischen Pflegern und Krankenhaus sowie zunehmend in der sozialen Beratung und in der Sterbebegleitung können sie eingesetzt werden.“

Die Bundes­ärzte­kammer wiederum hat (Muster-)Fortbildungscurricula für MFA erarbeitet, die die Basis für entsprechende Angebote von Ärztekammern sind. Eines davon umfasst die Fortbildung zur nichtärztlichen Praxisassistentin (NäPA). Diese Zusatzqualifikation für Medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte ist Voraussetzung, damit sie in unterversorgten Gebieten nach Delegation durch den Hausarzt abrechnungsfähige Hausbesuche machen können. Die Vereinbarung zwischen BÄK und HÄV sieht nun vor, die Qualifikation der NäPa auf die zur VERAH anzurechnen.

Eignet sich die nichtärztliche Praxisassistentin das Wissen des VERAH-Moduls Praxismanagement an und kann sie die geforderten praktischen Tätigkeiten nachweisen (Umfang: 40 Stunden), darf sie eine Ergänzungsprüfung beim IhF ablegen und erhält das VERAH-Zertifikat.

Bessere Honorierung im Blick

Umgekehrt kann die Qualifikation zur VERAH auch auf die zur NäPA angerechnet werden. Eine Berufserfahrung von fünf bis zehn Jahren vorausgesetzt, muss eine Versorgungsassistentin weitere Theoriestunden (20) und Hausbesuche (20) nachweisen sowie eine Ergänzungsprüfung bestehen. Bei einer geringeren Berufserfahrung muss sie weitere Fortbildungsmodule erfolgreich absolvieren.

Nach bestimmten Anpassungen und nach Abstimmung mit dem Verband medizinischer Fachberufe will die Bundes­ärzte­kammer die im VERAH-Konzept enthaltenen Kompetenzbescheinigungen anerkennen. Die gegenseitige Anerkennung und Anrechnung von Fortbildungszeiten ist auch wichtig, um Praxen mit entsprechend qualifizierten Fachangestellten dauerhaft besser honorieren zu können. Dies ist ein wichtiges Anliegen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im Rahmen der nächsten Stufe der Honorarreform.

Hausärzte, die eine VERAH beschäftigen, erhalten bereits Honorarzuschläge im Rahmen der Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung. In Baden-Württemberg beteiligt sich die AOK zudem an den Kosten der Autos, die die Versorgungsassistentinnen für ihre Hausbesuche benötigen. Eine Qualifikation zur nichtärztlichen Praxisassistentin wiederum ist, vereinfacht dargestellt, bislang Voraussetzung für eine Abrechnung von arztentlastenden Leistungen (DÄ, Heft 11/2012) über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab.

Sabine Rieser

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