ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2014Contergan-Skandal: Land NRW lässt seine Rolle überprüfen

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Contergan-Skandal: Land NRW lässt seine Rolle überprüfen

Dtsch Arztebl 2014; 111(6): A-191 / B-167 / C-163

KNA; Korzilius, Heike

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Das lange nicht erkannte Gefahrenpotenzial von Contergan veranlasste viele Länder, die Zulassungsbedingungen für Arzneimittel zu verschärfen. Foto: picture alliance
Das lange nicht erkannte Gefahrenpotenzial von Contergan veranlasste viele Länder, die Zulassungs­bedingungen für Arzneimittel zu verschärfen. Foto: picture alliance

Um die Rolle des Landes im Contergan-Skandal Ende der 50er Jahre aufzuarbeiten, hat Nordrhein-Westfalen der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster einen Forschungsauftrag erteilt. Der Fall sei immer wieder Gegenstand öffentlicher Diskussionen, eine wissenschaftlich fundierte Dokumentation des Verhaltens der damaligen Landesregierung existiere jedoch bisher nicht, erklärte Ge­sund­heits­mi­nis­terin Barbara Steffens (Grüne) am 28. Januar in Düsseldorf.

Den Wissenschaftlern um den Historiker Prof. Dr. phil. Thomas Großbölting sind sämtliche Akten der damaligen Ministerialbürokratie und Strafverfolgungsbehörden zugänglich, etwa 800 Aktenbände. Unklar sei, ob auch die Herstellerfirma Grünenthal ihr Archiv öffne. Für die Substanz der Forschungsarbeit wären die Akten des Unternehmens wertvoll, aber nicht zwingend notwendig, so Großbölting.

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Grünenthal hatte Contergan 1957 als Schlaf- und Beruhigungsmittel auf den Markt gebracht. Nachdem sich das Medikament als embryotoxisch erwies, nahm die Firma es 1961 vom Markt. In Deutschland wurden etwa 5 000 Menschen geschädigt, 2 400 von ihnen leben noch. Ein Strafverfahren gegen Verantwortliche von Grünenthal vor dem Landgericht Aachen wurde 1970 wegen geringfügiger Schuld der Angeklagten und mangelndem öffentlichem Interesse an der weiteren Strafverfolgung eingestellt (siehe DÄ, Heft 48/2013). Parallel verhandelte Grünenthal mit den Nebenklägern über einen Vergleich: Die Opfer sollten 100 Millionen DM erhalten, sofern sie keine weiteren Ansprüche stellten. Die Firma zahlte das Geld schließlich in eine vom Bund errichtete Stiftung ein. KNA/HK

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