ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2014Frage der Woche an . . . Dr. med. Mathias Wesser, Präsident der Ärztekammer Thüringen

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. med. Mathias Wesser, Präsident der Ärztekammer Thüringen

Wie beurteilen Sie die das neue Krankenhausgesetz in Thüringen, mit dem den Kliniken - wie in einigen anderen Bundesländern auch - bereits Vorgaben zur Strukturqualität gemacht werden?

Dtsch Arztebl 2014; 111(6): [4]

Flintrop, Jens

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Wie beurteilen Sie die das neue Krankenhausgesetz in Thüringen, mit dem den Kliniken − wie in einigen anderen Bundesländern auch − bereits Vorgaben zur Strukturqualität gemacht werden?

Wesser: Grundsätzlich ist es positiv, dass in unserem Bundesland nach zehn Jahren endlich ein neues Krankenhausgesetz verabschiedet worden ist und damit die Thüringer Krankenhauslandschaft Bestand hat. Weiterhin begrüße ich sehr, dass auf unsere Anregung hin das Verbot von „Zuweisung gegen Entgelt“ in das Krankenhausgesetz aufgenommen wurde und somit die Berufsrechtswidrigkeit klar unterstützt wird.

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Als Schlagwort der Gegenwart – auch im Koalitionsvertrag – zeigt sich der Begriff „Qualität“. Dem ist auch im Thüringer Krankenhausgesetz Rechnung getragen worden. Insofern sehe ich Vorgaben zur Strukturqualität nicht prinzipiell als schlecht an, sondern es entspricht wohl eher heutigen Anforderungen. Schließlich müssen wir den Erfordernissen moderner Medizin in unserem Qualitätsanspruch gerecht werden.

Wichtig ist mir bei der Diskussion um Qualität vor allem, dass wir den Vorrang von medizinischen Aspekten vor den wirtschaftlichen betonen – drei Stellen in einem Bereich kosten natürlich mehr als zwei, können aber für eine bessere Strukturqualität sorgen. Bei den Vorgaben für die Strukturqualität, die im jetzigen Krankenhausgesetz noch nicht enthalten sind und erst noch durch Rechtsverordnung erlassen werden müssen, sollten wir aber maßvoll vorgehen und uns zwischen folgenden Polen bewegen: Zum einen kann nicht jedes Krankenhaus alle medizinischen Leistungen eines Maximalversorgers anbieten, wie beispielsweise eine Stroke-Unit. Zum anderen ist es von unserer Seite und der der Thüringer Landesregierung gewollt, weiterhin eine flächendeckende stationäre Versorgung in unserem Bundesland vorzuhalten, damit die Menschen eben nicht nur noch in Zentren, fernab ihres Wohnortes, behandelt werden können.

Die Gefahr, dass Akteure im Gesundheitswesen die noch zu beschließenden Vorgaben zur Strukturqualität nutzen wollen, um kleine Fachabteilungen sterben zu lassen, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber hier sehe ich auch unsere Aufgabe als Ärztekammer, künftig diesen Prozess der Strukturvorgaben offensiv zu begleiten, um im Sinne der Patienten, der Sicherheit ärztlicher Berufsausübung und auch im Sinne der wirtschaftlichen Stabilität der Krankenhäuser für eine qualitativ hochwertige Versorgung in Thüringen zu sorgen. JF

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