ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2014Feuchte altersabhängige Makuladegeneration: Anti-VEGF-Therapie stabilisiert Visus über vier Jahre

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Feuchte altersabhängige Makuladegeneration: Anti-VEGF-Therapie stabilisiert Visus über vier Jahre

Dtsch Arztebl 2014; 111(6): A-220 / B-188 / C-184

Gerste, Ronald D.

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Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Ursache für Erblindung und hochgradigen Sehverlust im höheren Lebensalter. Die feuchte (exsudative, neovaskuläre) Form der Erkrankung kann mit VEGF-Inhibitoren behandelt werden: erfolgreich zwar, aber um den Preis regelmäßiger intravitrealer Injektionen und einer für Patienten wie Angehörige nicht unbeträchtlichen Belastung durch die Therapie. Eine dänische Autorengruppe hat nun eine Studie publiziert, in der 600 Augen von 555 Patienten (medianes Alter bei Einschluss in die Studie 79,9 Jahre) mit Ranibizumab behandelt und die Patienten für vier Jahre nachbeobachtet wurden. Nach diesem Zeitraum wurden 192 Augen (32 %) nach wie vor aktiv behandelt. Der Visus in dieser Gruppe (im Durchschnitt 0,32) war gegenüber dem Status bei Studienbeginn (0,30) praktisch unverändert, ein Funktionsverlust war mit der Therapie somit verhindert worden. Für diese Stabilisierung waren pro Jahr im Schnitt 5,5 Injektionen notwendig. Die wesentlichen Gründe, mit der Therapie aufzuhören waren – abgesehen von Non-Compliance bei 11 % und Tod bei 9 % der Patienten – vor allem ein fehlendes Ansprechen auf die Behandlung und eine Inaktivität des Krankheitsbildes. Von den Augen, bei denen die Injektionen nicht fortgesetzt wurden, gab es bei einem Fünftel im Studienzeitraum erneut Behandlungsbedarf, ein Hinweis darauf, dass eine scheinbar klinisch ruhige exsudative AMD ein unsicherer Befund ist und auch bei Sistieren der Behandlung regelmäßige Kontrollen sinnvoll sind. Bei Patienten mit vermeintlich inaktivem Befund, bei denen nach vier Jahren eine Nachuntersuchung möglich war, verminderte sich der Visus von durchschnittlich 0,38 auf 0,15.

Fazit: Für viele Patienten mit feuchter AMD ist die intravitreale VEGF-Hemmung eine Dauertherapie, die trotz Belastungen durch zahlreiche Arztbesuche zu Injektions- wie Kontrollterminen gute Aussichten für einen Funktionserhalt hat. Die Studie macht zudem deutlich, dass die Krankheit meist bilateral ist: Im Beobachtungszeitraum musste auch bei einem Drittel der bislang unbehandelten Partneraugen mit einer Therapie begonnen werden. Die Rate okulärer Nebenwirkungen war mit 0,2 % sehr gering. Dr. med. Ronald D. Gerste

Rasmussen A, et al.: A 4-Year Longitudinal study of 555 patients treated with ranibizumab for neovascular age-related macular degeneration. Ophthalmology 2013; 120: 2630–6. MEDLINE

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