ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2014Primäres ZNS-Lymphom: Gute Überlebensdaten mit reduzierter Strahlentherapie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Primäres ZNS-Lymphom: Gute Überlebensdaten mit reduzierter Strahlentherapie

Dtsch Arztebl 2014; 111(6): A-220 / B-188 / C-184

Gulden, Josef

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Bei der Behandlung primärer ZNS-Lymphome gilt es, zwischen der Anti-Lymphom-Wirkung und unerwünschten Effekten, vor allem Neurotoxizität, abzuwägen. Eine Studiengruppe aus den USA hat in einer Phase-II-Studie mit 52 Patienten versucht, durch die Zugabe des Anti-CD20-Antikörpers Rituximab zur Chemotherapie aus Methotrexat, Procarbazin und Vincristin die systemische Anti-Lymphom-Wirkung zu verstärken. Ganz verzichten mochten sie auf die Ganzhirnbestrahlung nicht. Aber um deren Toxizität zu reduzieren, wurde bei den 31 Patienten (60 %), die auf die Immunchemotherapie mit einer kompletten radiologischen Remission angesprochen hatten, die Dosis von 45 Gy auf 23,4 Gy reduziert. An die Bestrahlung schloss sich eine Konsolidierungstherapie mit Cytarabin an. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben (PFS) der mit reduzierter Dosis bestrahlten Patienten nach 2 Jahren.

Dieses lag mit 77 % hoch, die mediane progressionsfreie Überlebenszeit betrug 7,7 Jahre, nach drei Jahren waren noch 87 % dieser Patienten am Leben. Die Werte sind trotz reduzierter Strahlendosis wesentlich besser als im Gesamtkollektiv (n = 52): Dort lagen die Medianwerte für das PFS bei 3,3 und für das Gesamtüberleben bei 6,6 Jahren – gegenüber historischen Kontrollen ebenfalls vorteilhaft. Allerdings waren progressionsfreies und Gesamtüberleben auch bei kompletter Remission deutlich vom Alter abhängig. Die kognitiven Tests zeigten bei den Patienten, die nach der Immunchemotherapie eine komplette Remission erreicht und diese auch gehalten hatten, eine Verbesserung der exekutiven Funktionen (p < 0,01) und des verbalen Gedächtnisses (p < 0,05). In der Nachbeobachtung blieben die Scores in den verschiedenen Domänen für bis zu vier Jahre vergleichsweise stabil. Nur bestimmte motorische Funktionen, wie die Geschwindigkeit der Handbewegungen, verschlechterten sich signifikant.

Progressionsfreies Überleben von Patienten mit ZNS-Lymphom nach Radiotherapie mit reduzierter Strahlendosis in Abhängigkeit vom Lebensalter
Progressionsfreies Überleben von Patienten mit ZNS-Lymphom nach Radiotherapie mit reduzierter Strahlendosis in Abhängigkeit vom Lebensalter
Grafik
Progressionsfreies Überleben von Patienten mit ZNS-Lymphom nach Radiotherapie mit reduzierter Strahlendosis in Abhängigkeit vom Lebensalter
Fazit: Lässt sich bei Patienten mit ZNS-Lymphom durch eine Immunchemotherapie eine komplette radiologische Remission erzielen, kann die Dosis der folgenden Bestrahlung möglicherweise reduziert werden. Die Radiation Therapy Oncology Group führt derzeit eine Phase-III-Studie durch, in der randomisiert geprüft wird, ob nach Induktion mit Immunchemotherapie auf die niedrigdosierte Radiotherapie ganz verzichtet werden kann. Josef Gulden

Morris PG, et al.: Rituximab, methotrexate, procarbazine, and vincristine followed by consolidation reduced-dose whole-brain radiotherapy and cytarabine in newly diagnosed primary CNS lymphoma: Final results and long-term outcome. J Clin Oncol 2013; 31: 3971–9. MEDLINE

Progressionsfreies Überleben von Patienten mit ZNS-Lymphom nach Radiotherapie mit reduzierter Strahlendosis in Abhängigkeit vom Lebensalter
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