ArchivDeutsches Ärzteblatt20/1996Modellprojekt der KV Hamburg: Mobile Umweltambulanz hat sich bewährt

POLITIK: Aktuell

Modellprojekt der KV Hamburg: Mobile Umweltambulanz hat sich bewährt

Glöser, Sabine

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LNSLNS Vor zwei Jahren startete die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) ein umweltmedizinisches Modellprojekt. Hamburger Vertragsärzte, die bei Patienten Umweltgifte als Krankheitsursache vermuteten, konnten das mobile Meßlabor der KVH anfordern. Der Erfolg des Projektes führte nun zu einer Modellvereinbarung zwischen der KVH und dem BKK-Landesverband. Ähnliche Verträge gibt es bereits in Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe.


Seit dem 1. April dieses Jahres können Versicherte des BKK-Landesverbandes in Hamburg ein neues Versorgungsangebot in Anspruch nehmen. Die Krankenkasse und die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg haben eine auf drei Jahre festgelegte Vereinbarung getroffen. Ziel ist es, Umweltgefahren als Ursache von Krankheiten frühzeitig zu erkennen und die Patienten effektiv und kostengünstig zu behandeln sowie eine langfristige Rehabilitation sicherzustellen, heißt es in der Abmachung.


Analysen im häuslichen Umfeld
Das Leistungsangebot umfaßt eine umweltmedizinische Anamnese sowie eine Basis-Laboruntersuchung. Besteht Verdacht auf eine Erkrankung durch Umweltgifte, kann der Arzt umweltmedizinische Messungen und Analysen im häuslichen Umfeld des Patienten veranlassen. Der behandelnde Arzt erörtert anschließend mit dem Patienten die Untersuchungsergebnisse und plant die weitere Behandlung. Hamburger Vertragsärzte können bei ihrer KV eine Genehmigung zur Teilnahme an dem Projekt beantragen. Dazu müssen sie die Voraussetzungen der Weiter­bildungs­ordnung der Ärztekammer Hamburg für Umweltmedizin erfüllen und regelmäßig an umweltmedizinischen Fortbildungsangeboten teilnehmen. Zugleich wird das Projekt wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.
Die KV Hamburg bewertet den Abschluß dieser Vereinbarung mit dem BKK-Landesverband als "Erfolg ihrer Bemühungen um eine Verbesserung des Leistungsangebotes auf dem Gebiet der Umweltmedizin". So basiert die nun geschlossene Vereinbarung auf den positiven Erfahrungen mit dem im Januar 1994 ins Leben gerufenen Modellprojekt "Umweltambulanz der KVH". In den vergangenen zwei Jahren bot die KV den niedergelassenen Ärzten in Hamburg den Service einer mobilen Umweltambulanz an. Der mobile Meßwagen ermöglichte es den Ärzten, gesundheitlichen Belastungen durch Schadstoffe im Wohnumfeld ihrer Patienten nachzugehen und damit umweltbedingte Erkrankungen schneller zu diagnostizieren. Oft hätten die Betroffenen bereits einen langen Leidensweg hinter sich, da die Diagnostik auf diesem Gebiet sehr langwierig und schwierig sei.


Nachweis toxischer Substanzen
Mehr als 500 Ärzte beteiligten sich an dem Projekt. Insgesamt wurden über 1 200 Wohnräume untersucht. Möbelstücke, Teppiche und Baumaterialien erwiesen sich dabei als Hauptbelastungsquellen, denn in diesen ließen sich toxische Substanzen wie Formaldehyde, Holzschutzmittel, Lösemittel, Pilzsporen oder Pestizide nachweisen.
Unter der Regie der KV Hamburg gab es bislang drei Fortbildungsveranstaltungen. In diesem Jahr bieten die Fortbildungsakademien Schleswig-Holsteins und Hamburgs erstmals eine gemeinsame Fortbildungsreihe an, die zum Führen der Zusatzbezeichnung Umweltmedizin berechtigt. Im Laufe des Modellprojektes übernahmen verschiedene Krankenkassen anteilig Kosten für Probeentnahmen, Analysen und Messungen.
Mit dem Projekt der Umweltambulanz folgten die Hamburger einem Beispiel der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, die bereits ein Jahr zuvor einen solchen Service eingerichtet hatte. In Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe bestehen schon seit etwa einem Jahr Vereinbarungen mit Krankenkassen über die Vergütung umweltmedizinischer Leistungen an die Ärzte. Inzwischen haben auch andere KVen sowie Krankenkassen Umweltambulanzen eingerichtet. In Hamburg führt die Kassenärztliche Vereinigung derzeit auch mit anderen Krankenkassen Gespräche über ähnliche Vereinbarungen. Dr. Sabine Glöser

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