ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2014Gewalterfahrungen: Betroffen sind mehr als 40 Prozent

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Gewalterfahrungen: Betroffen sind mehr als 40 Prozent

PP 13, Ausgabe Februar 2014, Seite 52

Hillienhof, Arne

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Erlebte Gewalt geht mit einem deutlich höheren Risiko, psychisch oder somatisch zu erkranken, einher. Foto: dpa
Erlebte Gewalt geht mit einem deutlich höheren Risiko, psychisch oder somatisch zu erkranken, einher. Foto: dpa

Etwa 40 Prozent der Deutschen haben in ihrem Leben bereits körperliche, psychische, sexuelle oder wirtschaftliche Gewalt erfahren – Männer wie Frauen. Das ergab eine Befragung mit circa 4 000 Teilnehmern in Aachen. „Die Zahl der Gewalterfahrenen hat uns doch überrascht“, berichtet Ute Habel, Leitende Psychologin an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Uniklinik Aachen. Habel leitet das Lehr- und Forschungsgebiet „Neuropsychologische Geschlechterforschung“. Es umfasst auch das Modellprojekt „Genderspezifische Erfassung und Versorgung von Patienten nach Gewalterfahrung“, in dessen Rahmen die Umfrage stattfand. Das Projekt wird von der EU und dem Land Nordrhein-Westfalen mit mehr als 1,5 Millionen Euro gefördert und läuft in Kooperation mit „Frauen helfen Frauen e.V.“ in Aachen.

Die Gewalterfahrungen führen bei den Betroffenen zu einem deutlich höheren Risiko, psychisch oder somatisch zu erkranken – zum Beispiel an Herzrhythmusstörungen, Magersucht oder Magen-Darm-Problemen. Zudem haben sie einen höheren Konsum von Alkohol und Drogen und eine stärkere Suizidgefährdung als unbelastete Patienten.

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Die Projektgruppe hat daher verschiedene Beratungsmodule entwickelt. „Jeder Mensch geht anders mit Gewalterfahrungen um. Dies berücksichtigen wir mit unserem Beratungs- und Trainingskonzept“, so Habel. Einige Patienten profitierten eher von einem emotionsregulierenden Training, in dem sie lernten, besser auf sich selbst und ihre verschiedenen Stimmungslagen zu achten, andere Patienten benötigten eher ein Training, um effektiver mit anfallenden Problemen umzugehen. Betroffenen fehle es zudem häufig an Selbstwertgefühl. Auch dieses könne unter fachlicher Anleitung deutlich gesteigert werden. hil

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