ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2014Drogen: Wie Cannabis das Arbeitsgedächtnis schädigt

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Drogen: Wie Cannabis das Arbeitsgedächtnis schädigt

PP 13, Ausgabe Februar 2014, Seite 86

Meyer, Rüdiger

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Der häufige und vor allem der frühe Konsum von Cannabis geht bei Jugendlichen mit Hirnveränderungen einher, die laut einer Studie im „Schizophrenia Bulletin“ Störungen des Arbeitsgedächtnisses erklären könnten, die bei Cannabiskonsumenten häufig gefunden werden.

Die Auswirkungen des Cannabiskonsums auf das Gedächtnis werden derzeit in der Hirnforschung kontrovers diskutiert. Einige Konsumenten weisen Störungen im Arbeitsgedächtnis auf, das – in Analogie zum Arbeitsspeicher des Computers – Informationen kurzzeitig für die weitere Verarbeitung bereithält. Ein schlechtes Arbeitsgedächtnis schmälert akademische Leistungen und erschwert die Bewältigung alltäglicher Aufgaben.

Matthew Smith von der Feinberg School of Medicine in Chicago und Mitarbeiter haben jetzt die Leistungen des Arbeitsgedächtnisses von Cannabis-Konsumenten, Patienten mit Schizophrenie und Gesunden mit kernspintomographischen Aufnahmen in Beziehung gesetzt. Im Focus standen subkortikale Regionen, die für Gedächtnisleistungen benötigt werden.

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Die Forscher verwendeten einen bestimmten Algorithmus (large-deformation high dimensional brain mapping, HDBM-LD), der bei den Cannabiskonsumenten tatsächlich in einigen subkortikalen Zonen Veränderungen aufzeigte. Gemeint sind Striatum, Globus pallidus und Thalamus, die für das Arbeitsgedächtnis benötigt werden. Striatum und Thalamus waren bei den Konsumenten im HDBM-LD verkleinert. Dies könnte laut Smith auf den Untergang von Neuronen hinweisen.

Die Auswirkungen waren besonders ausgeprägt bei Jugendlichen, die sehr früh mit dem Cannabis-Konsum begonnen hatten, für Smith ein Zeichen für einen kausalen Zusammenhang zwischen Droge und Hirnveränderung. Die Hirnveränderungen waren auch bei Personen mit „cannabis use disorder“ (der neuen DSM-V-Entität für die Cannabisabhängigkeit) vorhanden, die seit zwei Jahren kein Cannabis mehr geraucht hatten.

Smith sieht darin einen Hinweis auf bleibende Schäden durch den Cannabis-Konsum. Dass auch Patienten mit Schizophrenie ähnliche Störungen aufweisen, bestätigt für Smith, das zwischen beiden Entitäten eine Beziehung besteht. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Cannabis-Konsumenten zu psychotischen Symptomen neigen.

Ursache und Wirkung lassen sich hier allerdings schwer voneinander trennen. Es ist durchaus möglich, dass Menschen mit einer beginnenden Schizophrenie sich eher als andere Jugendliche der Droge zuwenden. Was zuerst kam, die Krankheit oder die Droge, lässt sich durch Querschnittsstudien wie der aktuellen nicht klären. Notwendig wären Langzeitstudien an Jugendlichen, die aufwendig sind und bisher nicht durchgeführt wurden. rme

Smith MJ, Cobia DJ, Wang L et al: Cannabis-Related Working Memory Deficits and Associated Subcortical Morphological Differences in Healthy Individuals and Schizophrenia Subjects: Schizophrenia Bulletin, 2013; doi: 10.1093/schbul/sbt176.

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