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LNSLNSLNSLNS Sozialpolitiker sind zur Zeit auf der Suche nach Einsparungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen, auch bei der medizinischen Rehabilitation. Pauschalvorschläge sind hoch im Kurs. Die Drei-Wochen-"Kur" wurde vorgeschlagen, wird erprobt. Ist das eine gute Lösung? Sind stationäre Rehabilitationsmaßnahmen dadurch effizienter zu gestalten, daß in kürzerer Zeit mehr Therapie angeboten, in den Rehabilitationskliniken mehr gearbeitet wird? Wie unterscheidet man dringend der Rehabilitation bedürftige Patienten von sozialversicherten Personen mit übertriebener Kurbegehrlichkeit ("Overuser")?
Es gibt Einsparungspotentiale. § 12 Abs. 2 SGB VI (" . . . nicht vor Ablauf von drei Jahren") suggeriert Ansprüche auf wiederholte Rehabilitationsmaßnahmen, die nur schwer zu vertreten sind, wenn eine Behinderung oder eine Gefährdung der Erwerbsfähigkeit nicht fortbesteht.
Bei der Anschlußheilbehandlung (AHB) stellen Krankenhausärzte und -sozialdienst die Indikation zur Rehabilitation. Das Verfahren ist akzeptiert, die Zugangswege sind kurz. Dennoch sind nicht alle AHBPatienten "schwere Fälle", auch manche AHB-Rehabilitanden benötigen nur kurzfristig (drei Wochen?) die Interventionsbereitschaft, Therapiedichte und Multiprofessionalität einer spezialisierten Rehabilitationsklinik.
Bei der "normalen" Heilbehandlung stellt der Versicherte den Reha-Antrag an die zuständige Renten- oder Kran­ken­ver­siche­rung, den der Hausarzt in der Regel befürwortet. Will man den Grad und die Dringlichkeit der Reha-Bedürftigkeit bewerten, sollte man drei Bausteine zusammenfügen: subjektive Befindlichkeit, Hausarztbewertung und sozialmedizinische Begutachtung.
Subjektive Fragebogen-Meßinstrumente sind in der Erfassung psychosozialer Belastungen und vitaler Erschöpfung dem Arzturteil überlegen. Ein entsprechendes Instrumentarium liegt vor (Ires-Fragebogen) und ist mit dieser Fragestellung validiert. Der Hausarzt kennt den Patienten länger und besser als ein Gutachter. Andererseits ist ein sozialmedizinischer Gutachter (MDK; ärztlicher Dienst der gesetzlichen Rentenversicherung) dem Antragsteller weniger verpflichtet. Er sollte auf Grund eigener Untersuchungen in Kenntnis von Fragebogen und Hausarzt-Votum über die Rehabilitations-Bedürftigkeit entscheiden.
Es gibt auch "Underuser" der Rehabilitation: beispielsweise Diabetiker, die mit fortgeschrittenem FußSyndrom, mit fortgeschrittenen Retinopathien erstmals in die Rehabilita-tion kommen, nie geschult, immer belastet, von Amputation oder Erblindung bedroht. Zuzahlung oder die Anrechnung von Urlaubstagen würden sie noch mehr abschrecken als bereits die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Das sind deshalb falsche Wege einer Kosteneinsparung.
Wenn eine dreiwöchige medizinische Rehabilitation bewilligt wird, wird man einer Reihe von Rehabilitanden gerecht. Dem steht bisher lediglich Gewohnheit entgegen. Andererseits lassen sich Lernprozesse, Erkenntnisprozesse, Umgewöhnungsprozesse (Gesundheitstraining) und Heilungsprozesse weder durch eine Sechs-Tage-Therapie noch durch administrative Maßnahmen beschleunigen. Viele Patienten benötigen vier bis sechs Wochen Rehabilitation. Die Ärzte wie Psychologen in den Reha-Kliniken sind heute intensiv mit diesen Patienten befaßt. Sie erleben zugleich deren Motivation, Mitwirkung und die Geschwindigkeit des individuellen Rehabilitationsverlaufs. Sie sollten weiterhin mit schriftlicher Begründung eine Behandlung bis auf sechs Wochen Dauer verlängern können. Damit aber das Ziel einer Verkürzung der Rehabilitations-Dauer und Kosteneinsparung erreicht wird, kann jeder Klinik ein Budget von Behandlungstagen je Patient zur Verfügung gestellt werden. Dieses bietet die Möglichkeit, Unterschiede nach Indikationen und Klinikschwerpunkten zu berücksichtigen. Ein solches Budget könnte beispielsweise bei einer Verweildauer von 30 Tagen auf 26 Tage gesenkt werden. Die Verantwortung für die Behandlungsdauer im Einzelfall läge dann bei den Ärzten, die die Rehabilitation durchführen.
Dr. med. Eberhard Zillessen,
Bad Neuenahr-Ahrweiler
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