ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2014Zusätzlich eine Intelligenzminderung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Artikel von Herrn Dr. Lehnhardt und Koautoren verknüpft auf gelungene Weise empirisch fundierte Fakten mit eigenen klinischen Erfahrungen aus einer Spezialsprechstunde für Menschen mit hochfunktionalem Autismus und kann so als praxistauglicher Leitfaden für die Abklärung eines Autismusverdachts im Erwachsenenalter genutzt werden (1).

Ergänzend möchten wir darauf hinweisen, dass die dargestellte Patientenklientel nur etwa die Hälfte der Menschen mit Autismusspektrumstörungen ausmacht, da nach Fombonne bei etwa 30–74 % dieser Menschen zusätzlich eine Intelligenzminderung besteht (2). Nicht nur im hochfunktionalen Bereich, auch bei Menschen mit Intelligenzminderung bleibt die Autismusspektrumstörung oft bis ins Erwachsenenalter unerkannt. Nach eigenen Studienergebnissen war die Diagnose Autismus bei nur einem Viertel der Erwachsenen mit Intelligenzminderung bei Zuweisung bekannt, die nach umfassender Abklärung die Kriterien für eine Autismusspektrumstörung erfüllt haben (3). Dies ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass spezifische Diagnostikinstrumente entwickelt werden müssen (3, 4). Entsprechend der UN-Behindertenrechtskonvention und der durch die Europäische Union angenommenen Charta für Menschen mit Autismus besteht ein Recht auf diagnostische Klärung und ursachengerechte Behandlung über das gesamte autistische Spektrum. Eine effektive Serviceplanung in Deutschland für diese häufig betroffenen, aber ebenso unterdiagnostizierten Menschen mit Intelligenzminderungen wäre wünschenswert.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0117a

Dr. med. Tanja Sappok, Prof. Dr. med. Albert Diefenbacher

Dipl. Musiktherapeut Thomas Bergmann

Berliner Behandlungszentrum für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung am Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, Berlin

tanja.sappok@t-online.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Lehnhardt FG, Gawronski A, Pfeiffer K, Kockler H, Schilbach L, Vogeley K:
The investigation and differential diagnosis of Asperger syndrome in adults.
Dtsch Arztebl Int 2013; 110(45): 755–63 VOLLTEXT
2.
Fombonne E: Epidemiology of pervasive developmental disorders. Pediat Res 2009; 65: 591–8 CrossRef MEDLINE
3.
Sappok T, Diefenbacher A, Budczies J, et al.: Diagnosing autism in a clinical
sample of adults with intellectual disabilities – how useful are the ADOS and the ADI-R? Res Dev Disabil 2013; 34: 1642–55 CrossRef MEDLINE
4.
Bergmann T, Sappok T, Diefenbacher A, Dziobek I: Musikbasierte Autismusdiagnostik (MUSAD). Entwicklung eines Untersuchungsverfahrens für erwachsene Menschen mit Intelligenzminderung und Autismusverdacht. Musiktherapeutische Umschau 2012; 33: 126–40.
1.Lehnhardt FG, Gawronski A, Pfeiffer K, Kockler H, Schilbach L, Vogeley K:
The investigation and differential diagnosis of Asperger syndrome in adults.
Dtsch Arztebl Int 2013; 110(45): 755–63 VOLLTEXT
2.Fombonne E: Epidemiology of pervasive developmental disorders. Pediat Res 2009; 65: 591–8 CrossRef MEDLINE
3.Sappok T, Diefenbacher A, Budczies J, et al.: Diagnosing autism in a clinical
sample of adults with intellectual disabilities – how useful are the ADOS and the ADI-R? Res Dev Disabil 2013; 34: 1642–55 CrossRef MEDLINE
4.Bergmann T, Sappok T, Diefenbacher A, Dziobek I: Musikbasierte Autismusdiagnostik (MUSAD). Entwicklung eines Untersuchungsverfahrens für erwachsene Menschen mit Intelligenzminderung und Autismusverdacht. Musiktherapeutische Umschau 2012; 33: 126–40.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige