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Sappok und Kollegen weisen auf einen weiteren gesellschaftlich und klinisch gleichermaßen wichtigen Aspekt innerhalb des Autismus-Spektrums hin:

Menschen mit geistiger Behinderung und gleichzeitig vorliegendem Autismus sind in besonderer Weise in ihrem Recht auf Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe wie auch im Zugang zu einer adäquaten medizinischen Versorgung beeinträchtigt. Insbesondere die Einschränkungen in den verbalen und intellektuellen Fähigkeiten erschweren den Betroffenen, ihr inneres Erleben präzise und differenziert zu schildern. Daher ist die Diagnostik umso mehr auf eine sorgfältige Verhaltensbeobachtung und/oder Fremdanamnese von engen Bezugspersonen angewiesen.

Ebenso wie für hochfunktionale Menschen mit Autismus beziehungsweise dem Asperger-Syndrom besteht auch hier ein gravierender Mangel an verlässlichen diagnostischen Instrumenten, um bisher nicht erkannte erwachsene Betroffene zu identifizieren und ihnen den Zugang zu einem an die autismusspezifischen Denk-, Verhaltens- und Wahrnehmungsweisen angepassten therapeutischen Umfeld zu ermöglichen. Eine sehr lesenswerte Arbeit zu Autismus bei erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung haben Sappok und Kollegen bereits im Jahr 2010 publiziert (1). Dort wurde, in ähnlicher Weise wie in unserem eigenen Beitrag, eine Übersicht über klinische Besonderheiten, Komorbiditäten, differenzialdiagnostische Abgrenzungen und aktuell verfügbare spezifische psychodiagnostische Verfahren zu dieser Patientengruppe gegeben.

Hinweisen möchten wir außerdem auf die Entwicklung einer S3-Leitlinie „Autistische Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“ (2), die die besonderen Aspekte bisher nicht erkannter autistischer Störungen im Erwachsenalter im niedrig- und hochfunktionalen Bereich gleichermaßen berücksichtigen und hoffentlich die Entwicklung neuer diagnostischer Instrumente anstoßen wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0117b

Dr. med. Fritz-Georg Lehnhardt

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Uniklinik Köln

Fritz-Georg.Lehnhardt@uk-koeln.de

Interessenkonflikt
Dr. Lehnhardt erhielt Kongressgebührenerstattung von der Volkswagen-Stiftung.

1.
Sappok T, Bergmann T, Kaiser H, Diefenbacher A: Autismus bei erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung. Nervenarzt 2010; 81: 1333–45 CrossRef MEDLINE
2.
AWMF; Federführung: Freitag C, Vogeley K: S3-Leitlinie „Autistische Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“. www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/028–018.html (last accessed on 14 January 2014).
3.
Lehnhardt FG, Gawronski A, Pfeiffer K, Kockler H, Schilbach L, Vogeley K:
The investigation and differential diagnosis of Asperger syndrome in adults.
Dtsch Arztebl Int 2013; 110(45): 755–63 VOLLTEXT
1.Sappok T, Bergmann T, Kaiser H, Diefenbacher A: Autismus bei erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung. Nervenarzt 2010; 81: 1333–45 CrossRef MEDLINE
2.AWMF; Federführung: Freitag C, Vogeley K: S3-Leitlinie „Autistische Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“. www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/028–018.html (last accessed on 14 January 2014).
3.Lehnhardt FG, Gawronski A, Pfeiffer K, Kockler H, Schilbach L, Vogeley K:
The investigation and differential diagnosis of Asperger syndrome in adults.
Dtsch Arztebl Int 2013; 110(45): 755–63 VOLLTEXT

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