ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2014Pulmonale Hypertonie: Neue Perspektiven für die Therapie

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Pulmonale Hypertonie: Neue Perspektiven für die Therapie

Dtsch Arztebl 2014; 111(7): A-275

Leinmüller, Renate

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Für zwei Formen des Lungenhochdrucks wird mit Riociguat der erste Vertreter einer neuen Substanzklasse für die medikamentöse Behandlung erwartet.

Eine Dyspnoe bei geringen Alltagsbelastungen, bei der Linksherz- oder Lungenerkrankungen ausgeschlossen wurden, weckt den Verdacht auf eine pulmonale Hypertonie (PH). Die frühe Differenzialdiagnostik in spezialisierten PH-Zentren ist weichenstellend für die medikamentöse oder chirurgische Therapie der lebensbedrohlichen Erkrankung.

Die pulmonale arterielle Hypertonie wird meist erst spät erkannt, bei 80 Prozent der Patienten im NYHA-Stadium III oder IV. Ohne gezielte Therapie liegt die Lebenserwartung bei unter drei Jahren. Da die Erkrankung nicht heilbar ist, haben eine frühe Diagnose und medikamentöse Therapie höchste Priorität. Derzeit werden drei Substanzklassen eingesetzt: Endothelin-Rezeptor-Antagonisten, Phosphodiesterase-5-Hemmer und Prostazyklinanaloga.

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In den USA bereits zugelassen und seit kurzem auch von der Europäischen Zulassungsbehörde empfohlen, ist der neue Wirkstoff Riociguat (Adempas®). Es ist das erste Präparat einer neuen Klasse gefäßerweiternder Substanzen, ein Stimulator der löslichen Guanylatzyclase. In einer Phase-III-Studie erreichten alle Verum-Patienten (n = 254) den primären Endpunkt: eine signifikante (p < 0,001) Verlängerung der Sechs-Minuten-Gehstrecke gegenüber Placebo um 36 Meter, berichtete Prof. Dr. med. Ardeschir Ghofrani, Bad Nauheim.

Riociguat dürfte als erste Substanz auch bei der chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) neue Perspektiven eröffnen. Bei CTEPH bleibe die pulmonale Endarteriektomie Therapie der Wahl. Bis zu 40 Prozent der Patienten werden jedoch als inoperabel eingestuft, und bei einem Teil der Operierten bleibe der Lungenhochdruck bestehen oder trete erneut auf. Bei diesen Patienten ist unter Riociguat (n = 173) nach 16 Wochen im Sechs-Minuten-Gehtest ebenfalls eine signifikante Verbesserung (46 Meter vs. Placebo; p < 0,001) dokumentiert.

Das Kardinalproblem, die verzögerte Diagnostik der PH, ist nach Überzeugung der Experten nur durch ein geschärftes Bewusstsein bei den Haus- und niedergelassenen Fachärzten zu lösen. Bei einer Dyspnoe, die länger besteht und bei der der Hausarzt „nicht weiterkommt“, bietet sich nach Ausschluss einer Lungenerkrankung als Ursache die Kooperation mit einem Kardiologen an, um eine Linksherzerkrankung auszuschließen. Die frühe Zusammenarbeit mit den 27 PH-Zentren zur Differenzialdiagnose (Rechtsherzkatheter) kann für die Prognose und Lebensqualität entscheidend sein, betonte Prof. Dr. med. Stephan Rosenkranz, Köln. Nach Untersuchungen von Prof. Dr. med. Ekkehard Grünig, Heidelberg, bietet sich mit der Sonographie der kontraktilen Reserve der rechten Herzkammer unter Belastung erstmals eine nichtinvasive Methode zur Abschätzung der Prognose von Patienten mit pulmonaler Hypertonie (1).

Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Pressekonferenz: „Einblick in die Zukunft des Lungenhochdrucks: Herausforderungen und Perspektiven“, in Frankfurt/M., Veranstalter: Bayer

1.
Grüning E, et al.: Assessment and prognostic relevance of right ventricular contractile reserve in patients with severe pulmonary hypertension. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.001573; 2013 MEDLINE
1.Grüning E, et al.: Assessment and prognostic relevance of right ventricular contractile reserve in patients with severe pulmonary hypertension. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.113.001573; 2013 MEDLINE

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